Samstag, März 17, 2007

Milford Track (13.3.-16.3.2007)

Was wir heute als Milford Track kennen, wurde frueher von Maori (den Ureinwohnern Neuseelands) als Verbindung des Fiordlands mit dem Rest der Suedinsel genutzt. Maori suchten in Milford Sound nach Greenstone, um daraus Waffen oder Schmuck herzustellen. Mit ihren Fundstuecken machten sich Maori auf den Weg ueber den Mackinnon Pass bis zum Ende des Lake Te Anau, von wo sie mit ihren Kanus in alle Richtungen davon paddelten.

Dieser Track wurde von den ersten Siedlern gefunden und ausgebaut und in Anerkennung ihrer Leistungen findet man ihre Namen vielerorts. Quinton Mackinnon wurde 1888 beaufragt, einen Track vom Ende des Lake Te Anau voranzutreiben und da er den Pass offiziell als erster erreichte, traegt er heute seinen Namen. Donald Sutherland, der die erste Siedlung in Milford Sound erbaute, John Mackay und andere bauten den Track von der anderen Seite (von Milford) und sie entdeckten unter anderem die Mackay und Sutherlands Falls.

Wer zur damaligen Zeit den Milford Track lief, musste in Milford Sound angekommen wieder umkehren und zuruecklaufen, denn eine Strasse nach Te Anau gab es damals noch nicht. Die wurde erst 1954 fertiggestellt. Heute ist der Milford Track Neuseelands bekanntester Wanderweg, den jedes Jahr 14.000 Wanderer absolvieren.

Da der Milford Track durch einen Nationalpark verlaeuft, ist die Zahl der erlaubten Tramper pro Tag beschraenkt. Der Nationalpark wird von DOC verwaltet und somit sind sie mit der Vergabe der Tickets, Leitung der Huetten usw. beaufragt.

Pavlina und ich buchten den Track im Oktober 2006 und der erste freie Termin fuer uns beide war der 13. Maerz 2007. Am 12.3. (Montag) fuhren wir nach der Arbeit nach Te Anau, wo wir die Nacht bei Pavlina’s Freundin Lenka verbrachten.

Day 1 (13.3.): Glade WharfClinton Hut, 5km, 1-1,5 Stunden

Unsere erste Amtshandlung des Tages bestand aus einem Abstecher zum DOC Centre in Te Anau, denn unsere Tickets fuer die Huetten (genannt Hut Pass= Huettenpass) mussten bis 11 Uhr abgeholt werden. Dort gleich 2 Schocks am fruehen Morgen. 1. Die Tickets seien noch nicht bezahlt. Nun ist es so, dass damals beim Buchen eine recht neue Mitarbeiterin ziemlich viel Mist gebaut hat, denn urspruenglich wurde Pavlina die Gebuehr sogar zweimal abgebucht, was spaeter aber wieder korrigiert wurde. Es brauchte eine ganze Weile, um dies der Lady am Schalter zu erklaeren und sie brauchte noch mal so lange, um das ganze mit jemand anderes zu klaeren. 2. Wir haben keinen Transport gebucht. Normalerweise bucht man Transport mit DOC, die den Transport aber gar nicht bereitstellen. Das machen naemlich Real Journeys. Und weil wir die hier genau vor der Tuer haben und wir mit denen einen Rabatt ausgehandelt haben, haben wir das eben nicht ueber DOC gebucht, sondern mit Real Journeys direkt. Auch das brauchte ne ganze Weile, bis es bei ihr klickte. Als sie dann aber doch noch mal darauf hinwies, dass wir doch gar keinen Transport aus Milford Sound zurueck nach Te Anau haetten, wusste ich nun wirklich nicht mehr, was ich noch sagen sollte, schliesslich hatten wir ihr vorher ausfuehrlich erklaert, dass wir in Milford Sound leben und arbeiten und somit keinen Transport brauchen, weil wir schliesslich zu Hause sind.

Wir fuhren mit Pavlinas Auto (ja das Auto, wo man nicht mehr alle Gaenge benutzen soll), nach Te Anau Downs, wo das Boot 2 Uhr nachmittags Richtung Glade Wharf ablegte. Wir hatten alle Guided Walkers an Board, was die Sache recht interessant machte, weil man doch gern mal diejenigen Leute sehen moechte, die 2500 Dollar fuer eine gefuehrte Wanderung bezahlen und dafuer in recht komfortablen Huetten mit Heizung, Dusche und gekochtem Essen schlafen. Zum Vergleich dazu: Wir bezahlen 120 Dollar fuer alle drei Naechte, schleppen unser eigenes Essen und haben leider keine Dusche. Dafuer hab ich aber mehr Geld uebrig und ihre Rucksaecke waren genauso gross wie unsere auch. Die guided walker erreichten jeden Tag ihre Huette 1-1,5 Stunden frueher als wir, mussten diese Strecke dafuer aber am naechsten Tag zurueck legen.

In Glade Wharf angekommen, machten wir uns auf den kurzen Weg zu unserer ersten Huette, wo wir nach 1,5 Stunden auch schon ankamen. Wir hatten noch genuegend Zeit, die Umgebung kennenzulernen und so machten wir einen kleinen Ausflug zum Fluss. Zum Abendbrot gabs Tee und Nudeln. Ruth, die Huettenverantwortliche lud zum Hut Talk und sprach ueber den naechsten Tag. Wetter, was uns wandertechnisch erwartet, wo wir welche Stops machen koennen und wo die Toiletten auf der Wanderung sind (sehr wichtig!). Danach gings ins Bett, weils dunkel war und es kein Strom in den Huetten gibt. Auf dem Weg vom Klo (war sogar mit Spuelung, das kennt man von den anderen Tracks nicht!) zurueck zur Huette sah ich ein Possum im Gebuesch verschwinden und das veranlasste mich dazu, meine Schuhe (die man normalerweise draussen laesst) mit rein zu nehmen, denn ich hatte keine Lust, den Track mit vielleicht nur einem Schuh zu starten.

Day 2 (14.3.): Clinton Hut – Mintaro Hut, 16,5km, 6 Stunden

Der Regen weckte mich kurz vor 7 auf und da ich mir die ganze Zeit Gedanken ueber das Wandern im Regen machte, konnte ich nicht mehr einschlafen. Ich stand also auf und damit ich beim Packen niemanden stoere, trug ich all meine Sachen in den Kuechenbereich, wo ich in Ruhe packen konnte. Ausserdem machte ich Fruehstueck und weckte Pavlina, die sich eigentlich ihren Wecker auf 7 gestellt hatte, aber eine Stunde spaeter immer noch im Bett lag. Wie an allen anderen Morgen gab es Haferbrei und Tee.

Wie am Abend zuvor fielen mir drei Amerikaner auf, davon speziell einer, denn dieser redete staendig, klugscheisserte herum und erzaehlte jedem, was er wie zu tun haette. Noch viel schlimmer war aber eine deutsche Familie, die leider alle Klischees von Deutschen erfuellte, denn sie meckerten und jammerten ueber alles. Ich hoerte die Mutter darueber klagen, dass es die Nacht ueber so kalt war und sie selbst mit 3 Oberteilen noch gefroren haette.

Gegen 8.30 Uhr machten wir uns auf den Weg und die meiste Zeit ueber regnete es, wenn gluecklicherweise auch nicht sehr heftig. Recht bald konnten wir den Schnee auf den Bergen sehen, was keine grosse Ueberraschung war, denn es war bis 700 Meter angekuendigt gewesen. Der erste Teil der Wanderung fuehrte uns nur den Regenwald, was ein wenig langweilig ist, weil man nicht besonders viel sieht. Zwischendurch konnten wir mal zum Clinton River runterschauen oder sogar zum Ufer laufen. Irgendwann aenderte sich die Vegetation und machte darauf aufmerksam, dass wir langsam aber kontinuierlich hoeher stiegen. Baeume machten Bueschen und Straeuchern Platz und es wurde mehr und mehr Schnee. Es war nicht kalt genug fuer den Schnee sodass alles am Schmelzen war, was die Fluesse zum Ansteigen brachte. Deshalb mussten wir einige Fluesse durchqueren, was fuer die Faehigkeit meiner Schuhe, Wasser zu absorbieren, nicht besonders foerderlich war. Nach einigen Stunden Laufen in Regen, Fluessen und Schnee hatte ich nasse Fuesse und das ist nicht gerade angenehm. Auch musste ich feststellen, dass meine sogenannte Regenjacke absolut nicht wasserdicht ist, aber zum Glueck trug ich Thermo Tops drunter, so dass ich zwar nass war, aber wenigstens nicht fror. Die letzten 45 Minuten des Walks ging es steil bergauf und als wir endlich an der Mintaro Hut ankamen, war ich froh, dass ich keinen Meter mehr weiter laufen musste. Wir stiegen aus unseren nassen Klamotten und wechselten in trockene Sachen und versuchten einen Platz am winzig kleinen Ofen zu finden, um unsere nassen Sachen zu trocknen. Der Ofen war so klein, dass er nicht in der Lage war, den Gemeinschaftsraum zu erwaermen (2 Meter entfernt davon merkte man nichts von Waerme) und die Klamotten waren am Morgen immer noch nass. Naja, der gute Wille zaehlte. Zum Abendbrot gabs mal wieder Tee und Nudeln, wir rollten die Augen ueber den alleswissenden und niemals schweigenden Amerikaner und ich war so beschaemt ueber die Deutschen, dass ich niemandem erzaehlte, wo ich herkomme. Sie brachten es doch wirklich zustande, den Huettenwart nach einer Heizung fuer den Schlafraum zu fragen, weil es so kalt sei. Nun, wenn man mal logisch drueber nachdenkt, ist eine Heizung in einer Huette ohne Elektrizitaet ziemlich nutzlos und sie wollen ja wohl kein Feuer in einem geschlossenen Raum anzuenden. Chris, der Huettenwart, mahnte uns, am Morgen nicht die Huette zu verlassen, bevor wir nicht den Wetterreport gehoert haetten und er uns ueber die Bedingungen auf dem Mackinnon Pass berichtet haette. Im Falle von Neuschnee oder einer Verschlechterung der Bedingungen muessten wir entweder in der Huette verweilen oder aber alle geschlossen in der Gruppe losmarschieren und er wuerde dafuer sorgen, dass wir heil ueber den Pass kommen. Nach diesen Neuigkeiten, bei denen wir nicht so genau wussten, ob sie nun positiv oder negativ aufzufassen seien, gingen wir ins Bett. Leider musste ich feststellen, dass selbst mein Rucksack, obwohl als wasserdicht und mit Regenplane verkauft, nicht hundertprozentig wasserdicht ist (was wohl nichts ist) und deshalb war mein Schlafsack etwas nass geworden. Aus diesem Grund musste ich waehrend der Nacht noch mal raus, weil ich fror und ich zog eines meiner noch nicht ganz trockenen Thermos drueber. Die trocknen wunderbar am Koerper und ich war warm.


Day 3 (15.3.): Mintaro Hut – Dumpling Hut, 14km(18km), 6-7 (8) Stunden

Gegen 7.30 Uhr stand ich auf, weil um mich herum jeder auf den Beinen war und mit seinen Tueten rumknisterte, so dass nicht mehr an Schlafen zu denken war. Die Israelis, die in den Etagenbetten ueber uns lagen, machten nicht mal Anstalten, sich fluesternd zu unterhalten und auch die Deutschen konnte ich schon wieder rumpalavern hoeren. Wir fruehstueckten (ja ganz richtig, Haferbrei und Tee) und Chris gab uns den neusten Bericht in Sachen Wetter und Wegbeschaffenheit. Waehrend der Nacht fiel kein Neuschnee und es regnete gluecklicherweise auch nicht, so dass auch keine Eisbildung zu erwarten sei. Wir koennten den Track also laufen, sollten aber vor allem beim Abstieg vorsichtig sein. Gesagt getan, wir zogen also unsere noch immer nassen Klamotten vom Vortag an und machten uns auf den Weg. Recht bald begann der Aufstieg, der im zigzag erfolgte und das ganze etwas angenehmer gestaltete. Damit will ich aber nicht sagen, dass es einfach fuer mich war, schliesslich legten wir 500 Hoehenmeter zurueck. Fuer den Aufstieg waren 2 Stunden veranschlagt und selbst ich habe das ganze in knapp 2 Stunden geschafft, Stueck fuer Stueck und mit vielen Pausen. Den ersten Teil des Aufstiegs legt man im Wald zurueck, sodass man recht wind- u. regengeschuetzt ist. Ab einer bestimmten Hoehe gibt es aber keinen Wald mehr und man laeuft nur noch zwischen Bueschen und Straeuchern umher, die wir aber aufgrund des vielen Schnees (ungefaehr 20cm) nicht sehen konnten. Es war recht windig und somit auch kalt. Meine Fuesse waren wieder kalt und nass und als wir endlich auf der Spitze (1069m) ankamen, wollte ich mich gar nicht lange aufhalten und Fotos machen, weil ich in Bewegung bleiben wollte. Eigentlich schade, denn es gab viele kleine Seen zu sehen, die in mitten des Schnees recht idyllisch aussahen. Auch die schneebedeckten Berge waren ein Augenschmaus, aber daran kann man sich nicht so recht erfreuen, wenn man friert. So passierten wir also den Mackinnon Pass und ein paar Meter weiter machten wir einen kurzen Stop in der Pass Huette, wo wir einen heissen Tee tranken. Danach gings gleich weiter.

Ist immer sehr aergerlich, wenn man nach einem beschwerlichen Aufstieg schon wieder runter muss aber das laesst sich eben leider nicht aendern und so stiegen wir den Berg wieder hinab. Das Gute daran war, dass wir wieder windgeschuetzt waren und fuer kurze Zeit hoerte es sogar auf zu regnen. Der eigentliche Track wurde geschlossen, da er durch ein Lawinengebiet fuehrt (der Milford Track kreuzt uebrigens sage und schreibe 56 Lawinenpaesse) und eine leichte Gefahr fuer Lawinen bestand und so wurde ein Emergency Track geoeffnet, der uns einiges an Zeit ersparte aber leider auch sehr steil war. Der Schneematsch, die Steile und die vielen Gesteinsbrocken machten den Abstieg recht beschwerlich und teilweise liefen wir Baeche herunter, die gluecklicherweise kein oder kaum Wasser beinhalteten. Nach ungefaehr 4 Stunden staendigem bergab erreichten wir die Quintin Lodge (die Huette fuer die guided walker) und in der Quintin Tageshuette (fuer die unabhaengigen Wanderer) gab es kostenlosen Tee und Kaffee, so dass wir dort unsere Lunch Pause nahmen. Gestaerkt und mit nicht mehr zittrigen Beinen machten wir uns auf den Weg zu einem kleinen Abstecher zu den Sutherland Falls, die nicht Teil des Milford Tracks sind. Die Sutherland Falls sind mit 580 m die hoechsten Wasserfaelle Neuseelands und gehoerten zu meinem und Pavlinas Plichtprogramm. Zur Abwechslung ging es auch mal wieder bergauf, was man nach stundenlangem bergab wieder begruesst. Ueber den Walk selbst gibt’s nicht so viel zu berichten. Die Ruecksaecke blieben in der Huette zurueck, so dass wir leicht wie die Federn zu dem Wasserfall kletterten, viele Fotos machten und nach 90 Minuten wieder zurueck waren. Nach einer weiteren Tasse Kaffee setzten wir uns in Richtung Dumpling Hut in Bewegung, die nur noch 1 Stunde entfernt war. Wir erreichten die Huette und vollzogen das selbe Ritual wie vom Vortag: Bett finden, raus aus den nassen Klamotten, rein in die trockenen, Stelle am Kamin zum trocknen finden und relaxen. Der Amerikaner konnte es mal wieder nicht lassen und gab uns ungebetene Ratschlaege. Wir sollten doch unsere Schlafsaecke auf dem Bett ausbreiten und dann am besten noch die Innenseite nach aussen drehen, damit sie belueftet wird. Na wie gut, dass mir das endlich mal jemand gesagt hat, haette ich ja sonst nieeee gewusst! Wir beendeten gerade unser Abendbrot (Ihr koennt ja mal raten, was es gab), da begann auch schon der Hut Talk mit dem Ranger Ross, der uns auf den naechsten Tag vorbereitete und viel ueber die Vogelwelt um die Huette herum erzaehlte. So gibt es wohl auch Kiwis in der Naehe, aber man muss schon sehr viel Glueck haben, sie zu sehen. Viel warscheinlicher ist es, sie zu hoeren.

Auch in dieser Nacht gingen wir frueh zu Bett und auch in dieser Nacht hatten wir wieder irgendwo einen Schnarcher versteckt. Aber ich war so muede und fertig, dass mich das nicht wirklich stoerte.

Day 4 (16.3.): Dumpling Hut – Sandfly Point, 18km, 5,5 – 6 Stunden

Sandfly Point ist das Ende des Milford Tracks und von dort aus kommt man nur mit dem Boot nach Milford Sound. Das Boot verkehrt taeglich 2 Uhr, 3.15 Uhr und 4 Uhr (fuer die guided Walker). Wer das Boot 2 Uhr nehmen will oder muss (weil er zum Beispiel eine Bootstour auf dem Milford Sound gebucht hat oder mit dem Bus nach Te Anau oder Queenstown will), muss die Huette zwischen 8 und 9 Uhr verlassen, um das Boot zu erreichen. Aus diesem Grund waren alle schon recht frueh auf den Beinen und an laenger schlafen war nicht zu denken. Wir wollten eigentlich das Boot 3.15 nehmen, haetten aber auch mit dem 4 Uhr Boot fahren koennen, weil wir den Skipper kennen. Wir waren die letzten, als wir kurz vor 9 die Huette verliesen und uns auf den Weg machten. Der Walk war recht easy und es ging zu 95% nur bergab oder geradeaus. Wir waren recht schnell unterwegs und stellten bald fest, dass wir langsamer laufen oder eine laengere Pause machen koennen. So nahmen wir uns Zeit fuer Sighseeing und besichtigten Wasserfaelle, einen grossen Felsen, in den man hineinklettern kann oder machten einfach viele Fotos von der Umgebung. Mit dem Wetter hatten wir fast den ganzen Tag Glueck, es regnete die ganze Zeit nicht, bis es schliesslich gegen 1 Uhr damit anfing, eine knappe Stunde bevor wir Sandfly Point erreichten. Dort kamen wir gegen 2.15 Uhr an und wunderten uns, warum die komplette Mannschaft dort versammelt war, schliesslich waren sie doch alle vorangeeilt, um das Boot 2 Uhr nach Milford Sound zu schaffen. Bald erfuhren wir, dass das Boot Verspaetung hat und all die Leute sassen mit veraergerten Gesichtern in der Huette (draussen hielt sich so gut wie keiner auf, weil es an Sandfly Point gemaess dem Namen eben sehr viele Sandflies gibt). Pavlina und ich liesen uns die Laune nicht verderben, wir liefen im Regen umher und machten Bilder und sprachen zu anderen Leuten und dann kam das Boot gegen 2.45 Uhr. Wir alle nahmen das selbe Boot zurueck, was schon Ironie pur ist, schliesslich haben wir am Morgen gebummelt. Normalerweise gehen nicht so viele Leute auf das Boot, sodass nicht genuegend Sitzplaetze im Innenraum der kleinen Ánita Bay’zur Verfuegung standen. Pavlina und ich standen draussen und genossen die Fahrt und ich hoerte schon wieder die Deutschen, wie sie sich darueber beschwerten, dass es doch nicht sein kann, dass es nicht genuegend Sitzplaetze im Inneren gibt. Gegen 3 Uhr kamen wir in Milford Sound an, es regnete aus Kannen und man konnte nichts sehen, keine Berge, gar nichts. Das lies mich daran denken, wie viel Glueck wir mit dem Wetter letztenendes hatten, schliesslich haette alles viel schlimmer kommen koennen. Angesagt waren u.a. auch Hagel und schwere Stuerme und wir waren davon verschont geblieben. Wir liefen nach Hause, nahmen eine lange Dusche, wuschen unsere Waesche und kochten ein leckeres Essen – und diesmal keine Nudeln! Mit der Zeit kamen alle von der Arbeit zurueck und so mussten wir unsere Geschichte staendig wiederholen. Wir erfuhren, dass alle ziemlich besorgt um uns waren und hofften, wir haben genuegend warme Klamotten eingepackt. Ausserdem erzaehlten sie uns, dass die Milford Road am Mittwoch fuer einen halben Tag gesperrt war, weil man Zeit brauchte, den Schnee von der Strasse zu raeumen. Das bedeutete u.a. auch, dass waehrend dieser Zeit keine Touristen kamen, so dass alle einen recht relaxten Tag hatten.


Abschliessend kann ich sagen, dass der Milford Track kein schwieriger Track ist, denn die meiste Zeit laeuft man geradeaus oder bergab. Das einzige wirklich schwierige Stueck ist der Aufstieg zum Mackinnon Pass und selbst den habe ich innerhalb der empfohlenen Zeit geschafft. Meine Beine tun mir aber trotzdem weh und besonders meine Waden erinnern mich an die Strapazen der letzten Tage. Ich habe wunderschoene Fotos geschossen und einige davon koennen natuerlich in meinem Fotoalbum angesehen werden.

Alltag in Milford

Ups, da faellt mir auf, dass ich mich schon eine ganze Weile nicht mehr gemeldet habe. Das liegt daran, dass ich an meinen freien Tagen auf keiner grossen Mission gewesen bin, weil es staendig entweder um mein Auto oder um das von Pavlina ging. Mit alten Autos gibt es eben ab und an Probleme, um es mal ganz bescheiden zu formulieren und die Milford Road mit ihren Steigungen und starken Gefaellen traegt auch nicht gerade zur Schonung der Autos bei. Aktueller Zwischenstand (denn mit all dem Vorhergegangenen moechte ich Euch gar nicht langweilen): mein Auto hat ein Loch im Wassertank und ich werde versuchen, einen neuen zu bekommen. Einer der Skipper hat mir angeboten, den Austausch vorzunehmen, so dass ich nicht in die Werkstatt muss. Pavlinas Auto bekommt den TUEV nicht, weil ihre Schaltung hinueber ist. Sie wollte das Auto fuer ein paar zusaetzliche Dollar fuer Batterien und andere Teile verkaufen und da sagte man ihr, dass es gar nicht so schlimm sei. Sie solle halt nur ihren 5. Gang nicht benutzen und selbst wenn sie Gaenge verlieren sollte, so koenne sie immer noch mit dem 1. oder 2. fahren. Nun gut, das ist ja mal ne Aussage, das Auto steht nun in Te Anau, weil sie es nicht nach Milford bringen will und wartet dort darauf, ab und zu mal ausgefahren zu werden. Mal sehen, wie es mit der spannenden Auto - Geschichte weitergeht.

Auf kuerzeren Trips in Milford und Umgebung habe ich einige sehr schoene Fotos gemacht, die ich Euch natuerlich nicht vorenthalten moechte. Sie koennen unter meinem Fotoalbum angesehen werden.

Geburstage werden hier staendig gefeiert und der letzte wurde gebuertig am Grund der Bowen Falls mit einem grossen Lagerfeuer und live-Musik begangen. Das eigentlich Spannende an diesem Ereignis war, dass der Walk zu den Bowen Falls schon seit laengerer Zeit gesperrt wurde, weil oefter mal groessere Steine von den Felsen herunterkommen und das Laufen dort zu gefaehrlich ist. Man sieht aber staendig Touristen dort umherschlendern und wir locals sind sowieso staendig dort. Wir hatten aber keinen Schluessel fuer das Tor, mussten also mit all unserem Equipment entweder ueber den Zaun klettern, um den Zaun herum (gluecklicherweise hatte sich die Flut schon laengst aus dem Fiord verabschiedetet) oder uns durch ein recht kleines Loch hindurchzwengen. Auf dem Rueckweg war das alles noch viel abenteuerlicher, weil alle getrunken hatten und weil es stockdunkel war. Dafuer haben wir massenhaft Gluehwuermchen sehen koennen, als wir nach Hause liefen.

Ein langersehnter Bootsausflug fuer die Belegschaft fand nun auch endlich statt und so fuhren wir mit der Pride of Milford heraus, hatten leckeres Essen und ein wenig Alkohol und fuhren weiter auf das Tasmanische Meer heraus, als wir das normalerweise bei den Cruises tun. Der Tag fand seinen perfekten Ausklang in einem wunderschoenen Sonnenuntergang, den wir vor einer Bay (Bucht) liegend, beobachteten. Als wir wieder im Hafen ankamen, war es bereits dunkel und blind vor Dunkelheit liefen wir mal wieder den uns bekannten Weg zurueck zu unserer Unterkunft. Dabei blieb mir allerdings fast das Herz stehen, denn ein Ast ragte zu weit auf den Holzweg und ich rannte voll dagegen.

Auf einem kleinen Walk entlang des Cascade Creek hatte ich eine hautnahe Begegnung mit einem Robin – das ist ein kleiner Vogel, falls jemand nachfragen oder auf dumme Gedanken kommen sollte. Ich lief umher und machte Fotos und der kleine Frechdachs flog von Ast zu Ast und beobachtete mich. Nachdem er feststellte, dass ich keine Gefahr fuer ihn darstelle, kam er immer naeher und huepfte auf meinen Fuss, wo er zu picken anfing. Das waere unter normalen Umstaenden kein Problem, aber das Tragen von Sandalen wuerde ich nicht als normalen Umstand bezeichnen. Demnach war ich etwas erschrocken. Eine kleine Gruppe von Wanderern kam vorbei und weilte dem Schauspiel bei und dabei erklaerte mir deren Fuehrer, dass sich der Robin von Sandflies ernaehrt und weil er schlau ist, pickt er diese von Fuessen und Beinen der Menschen, da diese Koerperteile von Sandflies sehr begehrt werden. Der Robin sass nun auch auf dem Fuss eines anderen und pickte fleissig aber leider erfolglos, weil dieser mit einem Lederschuh bedeckt war. Auch die Beine waren durch Jeans bedeckt, was ihn aber nicht davon abhielt, diese genau unter die Lupe zu nehmen. Er hielt erst inne und verschwand, als ein zweiter Robin erschien und es zu einem „Wortgefecht“ zwischen den beiden kam. Da mir der Fuehrer zuvor erklaert hatte, dass der pickende Vogel ein Maennchen ist, nehme ich mal an, dass der zweite Vogel das Weibchen war und demnach kann ich mir schon vorstellen, wobei es bei dem kleinen Streit ging. Vielleicht wurde er nach Hause zitiert.

Das Fotoalbum enthaelt auch ein paar Bilder von Pavlina’s und meiner Mission im Gertrude Valley. Um dorthin zu gelangen, mussten wir erstmal einen ar…kalten Fluss durchqueren (sogar zweimal) und dann stiegen wir einen langen Geroellhang hinauf, um den verbliebenen Wasserfaellen ganz nahe zu sein. Eigentlich wollten wir auch den Gertrude Sattle (Sattel) besteigen, aber das haben wir uns fuer spaeter vorgenommen.

Donnerstag, Januar 18, 2007

Ein neues Hobby

Ich glaube ein neues Hobby fuer mich entdeckt zu haben, um das mich einige sicherlich beneiden werden. Vorerst schuere ich aber noch ein wenig Spannung und erzaehle die ganze Geschichte…

Nina (eine weitere Deutsche, die bei uns in der Kueche, genannt galley, arbeitet) und ich haben die selben Tage frei und da an unserem letzten Tag wunderschoenstes Wetter war – fuer uns beide uebrigens recht ungewoehnlich, da wir eher schlechtes Wetter von unseren freien Tagen gewoehnt sind – kamen wir auf die Idee, doch mal am Flughafen nach einem kostenlosen Flug zu fragen. Gesagt getan und so zogen wir los. Die Piloten meinten, dass sie momentan keine Rundfluege ueber den Milford Sound durchfuehren, sondern nur nach Queenstown fliegen. Wir sollten in einer Stunde noch mal wiederkommen, dann wuessten sie, ob sie Platz fuer uns haetten. Nach einer Stunden standen wir gespannt und zu allen Schandtaten am Flughafen bereit, nur um zu erfahren, dass alle Flieger voll seien. Nun gut, versuchten wir das ganze herunterzuspielen, nach Queenstown zu fliegen waere sowieso viel zu hektisch, schliesslich muessten wir am gleichen Tag noch zurueckfliegen, da wir morgen wieder arbeiten muessen. Das gute am Milford Airport ist, dass er winzig klein ist und so befinden sich die Hubschrauber gleich 20 Meter entfernt und dort fragten wir auch gleich mal nach einem Rundflug. Momentan waren sie natuerlich alle wieder voll, wir sollten aber 2:30 Uhr wieder kommen. Gesagt getan, kurz nach 2 standen wir wieder bei den Hubschraubern und auch diesmal sah es nicht sehr gut aus. Sie waren sehr beschaeftigt und leider (fuer uns) waren sehr viele zahlende Passagiere da, sodass fuer uns mal wieder kein Platz war. Wir verzagten nicht und standen uns die Beine in den Bauch und liesen uns von Sandflies an allen unmoeglichen Stellen beisen. Das Warten wurde dann auch belohnt, denn nach einigen Minuten kam die erfreuliche Nachricht, dass ein Platz frei waere. Okay, sagte ich, da Nina naechste Woche Milford Sound verlassen wird und dies ihre letzte Chance ist, mal in die Luefte abzuheben, schickte ich sie.

Aufgeben wollte ich noch nicht und so verbrachte ich meine Wartezeit mit kung fu-artigen Kampfeinlagen, um die Sandflies zu vertreiben und musste zu allem Ueberdruss auch noch feststellen, dass es keine oeffentliche Toilette am Airport gibt… Ich hatte aber bald keine Gelegenheit mehr, darueber nachzugruebeln, denn nach weiteren 30 Minuten bekam ich die freudige Nachricht, dass wieder ein Platz frei ist. Freudestrahlend ging ich zum Piloten und der verfrachtete mich auf die Rueckbank. Dort befanden sich schon 3 andere Personen, sodass ein wenig gequetscht werden musste. Vorne sassen neben dem Piloten 2 Asiaten.

Wir hoben ab und schon bald konnte ich all die bekannten Features des Milford Sound von oben betaunen: Bowen Falls, Mitre Peak und ein gigantischer Blick auf den Fiord. Wir flogen ueber Harrison’s Cove und Mount Pembroke hinweg und ich staunte nicht schlecht, wie viel Schnee da oben liegt. Das sieht von unten schon viel aus, aber von oben ist es einfach nur unglaublich! Wir flogen auf Mount Tutoko zu, der mit knapp 2 km der groesste Berg in Fiordland ist und bestaunten die Gletscher. Wir landeten auch auf einem (der Tutoko Glacier) und ploetzlich stellte ich fest, dass ich ueberhaupt nicht passend gekleidet war: aermellose Bluse und Sandalen! Dementsprechend kuehl und nass war es an den Fuessen. Aber nun gut, man versucht nicht dran zu denken und sich abzulenken und so schiesst man eben Fotos. Oder man macht ne Schneeballschlacht, aber ich kannte all die Menschen nicht und wollte mich auch nicht unbeliebt machen, und so schoss ich die Schneebaelle ins Leere. Hat trotzdem Spass gemacht. Nach ein paar Minuten auf dem Gletscher gings wieder in den Helikopter und auf der anderen Seite des Berges zurueck nach Milford. Wir flogen ueber Fluesse und baumbewachsene Taeler hinweg, sahen steile Felswaende und Wasserfaelle und nach ca. 20 Minuten war dieser Wahnsinnsflug leider schon wieder vorbei. Ich muss das auf jeden

Fall noch mal machen und der Flug nach Queenstown ist natuerlich auch nur aufgeschoben. Ehrensache, dass dies noch nachgeholt wird! Es wird natuerlich auch an dieser Stelle davon berichtet werden, Ehrenwort!

Donnerstag, Januar 11, 2007

Weihnachten und Jahreswechsel in Milford

Da ich nun schon einige Anfragen darueber bekommen habe, wie denn Weihnachten in Milford gefeiert wird, moechte ich dies hier mal niederschreiben.

Zu Anfang moechte ich gleich anmerken, dass ich auch dieses Jahr nicht in Weihnachtsstimmung war und dies hatte mehrere Gruende. Erstens gibt es in Milford keine Geschaefte, so dass man hier auch keine Weihnachtsdeko sieht, wie das der Fall waere, wenn man in einer Stadt wohnt. Und zweitens ist es halt mitten im Sommer und das ist einfach noch immer zu ungewoehnlich fuer mich, auch wenn ich es schon zum zweiten Mal in Neuseeland erlebe.

Ca. eine Woche vor Weihnachten schmueckten alle Cruiseanbieter ihre Schalter und Bueros und so bekam das Besucherterminal ein weihnachtliches Ambiente verpasst. Ich besorgte mir die nichtverwendete Deko und verschoenerte unseren TV Raum in unserem Zuhause mit Weihnachtsbaum, - kranz und ein paar Girlanden.

Am 20.12. hatten wir eine Red Boats Christmas Party und es gab mal wieder Essen und Trinken zum Umfallen viel. Wir haben gefeiert bis spaet in die Nacht und hatten alle unseren Spass (sehr beliebt bei unseren Skippern – fast alles aeltere Herren- war die Luftgitarre). Am naechsten Tag meldeten sich erstmal wieder zwei Maedels krank, weil sie am Abend zuvor zuviel getrunken haben. Tja, wenn man nicht trinken kann, soll man es sein lassen. Ich war zwar auch recht gut dabei, war aber am darauffolgenden Tag wieder fit.

Um die Weihnachtszeit war es recht ruhig, weil die meisten Leute eben zu Hause bei ihren Familien sind. Es gibt aber auch einige Leute, die aus verschiedenen Gruenden kein Weihnachten feiern (Religion, Reisende, usw) und die kommen auf eine Cruise. Die meisten Leute waren sehr nett, wuenschten uns frohe Weihnachten und bedankten sich dafuer, dass wir an den Festtagen fuer sie arbeiten.

Der eigentliche Weihnachtstag (25.12.) war sehr emotional, alle fielen sich morgens in die Arme und wuenschten sich frohe Weihnachten. Unser vielbeschaeftigter Chef kaum auf jedes Boot und gruesste jeden einzeln, nahm sich Zeit mit uns zu reden, erkundigte sich nach unseren Familien und nach unserem Wohlbefinden. John ist einfach ein grossartiger Chef und da koennen sich einige eine grosse Scheibe davon abschneiden!!! Ich verteilte meine am Vorabend gebackenen Plaetzchen an alle Boote, das Office und die Boys vom Unterwasser Observatorium und alle waren happy. Bevor ich auf Arbeit ging, telefonierte ich mit zu Hause, was vom Timing her perfekt war, weil es in Deutschland noch immer der 24.12. war.

Am Abend stand dann die naechste Party auf dem Programm und diesmal handelte es sich um die Christmas Party der ganzen Milford Gemeinde. Red Boats und Real Journeys (die Konkurrenz) wechseln sich jedes Jahr mit der Ausrichtung der Party ab und dieses Jahr waren Real Journeys an der Reihe, eines ihrer Boote als Austragungsort zur Verfuegung zu stellen. Die Bereitstellung des Essens und der Getraenke wurde unter den 3 groessten Firmen hier in Milford aufgeteilt, so dass nicht einer alle Kosten tragen muss. Das Buffet war unheimlich lecker und die Desserts leider auch. Habe an diesem Abend viel zu viel gegessen, aber man muss ja auch mal suendigen. Das Boot musste wieder fuer den naechsten Tag cruisetauglich gemacht werden, deswegen packten die meisten beim anschliessenden Saubermachen mit an, bevor wir mehr oder weniger rausgeschmissen wurden. Machte aber nichts, denn fuer diesen Fall hat Red Boats ja noch den Snooker Room (Billiardraum), in dem die meisten Partys ihren Ausklang finden.

Nach so vielen Parties war von Firmenseite keine Silvesterparty geplant. Allerdings verwendeten sie die waehrend des Jahres angesammelten Trinkgelder ganz vernuenftig und orderten im Pub eine grosse Runde Pizzen fuer alle Red Boats Leute und dazu (soll ja standesgemaess sein) eine grosse Barrunde fuer ein paar hundert Dollar. Spaeter am Abend stellte der Pub sozusagen als Dankeschoen an die Milford Gemeinde auch noch mal ein riesiges Fass Bier zur Verfuegung und so habe ich an diesem Abend keinen einzigen Cent fuer Getraenke ausgegeben. Der Pub war voll von Touristen und so verkruemmelten sich die meisten ’Einheimischen’ zum nahe liegenden Lagerfeuer, wo wir wieder alle unter uns waren und uns zum Jahreswechsel zuprosteten. Unsere Milford Lagerfeuer sind schon legendaer und wenn man danach nicht fuerchterlich nach Qualm stinken wuerde, koennte ich das jeden Tag machen!

Ich lag recht frueh (gegen 2 Uhr im Bett), weil ich am naechsten Tag arbeiten musste. Ein paar andere waren nicht so schlau und hatten einen fuerchterlichen Kater am naechsten Morgen. Die meisten hier sind daran aber schon gewohnt und haben erstaunliche ’Ueberlebenstechniken’ fuer diesen Fall entwickelt (ich moechte an dieser Stelle einfach noch mal darauf hinweisen, dass wir auf Booten arbeiten und sich diese mehr oder weniger bewegen, was man in manchen Gemuetslagen nicht unbedingt gebrauchen kann…). Pavlina gestand mir ein paar Tage spaeter, dass sie keine Erinnerung mehr an die letzten Stunden vor dem Zubettgehen hat. Sie fand beim Aufraeumen einen Kreditkartenbeleg, der besagt, dass sie gegen 2 Uhr einige Jaegermeister gekauft hat (sie weiss nicht, mit wem sie die getrunken hat) und das Allerbeste, sie fand eine weisse Billiardkugel in ihrer Tasche und kann sich absolut nicht erklaeren, wie diese dorthin gelangt ist. Nunja, zumindest brachte sie die Kugel zurueck, sodass die Gaeste des Pubs wieder Pool spielen koennen.

Ein paar wenige Bilder von all diesen Parties gibt es hier.

Mittwoch, Dezember 27, 2006

Ein typischer Arbeitstag im Milford Sound

Unser Arbeitsbeginn ist um 8 Uhr und da Menschen nun mal ganz verschieden sind, hoert man manche schon gegen 7 Uhr ueber den Flur flitzen waehrend andere bis 20 vor 8 im Bett bleiben und es schaffen, nach 10 Minuten im Bus zu sitzen. An schoenen Tagen laufe ich immer auf Arbeit, da ich einen kleinen Spaziergang am Morgen ganz erfrischend finde. Zu Fuss sind es weniger als 10 Minuten auf Arbeit, mit dem Bus eben nur 3. Bei den Booten angekommen, begibt sich fast jeder auf unser Flagschiff, Pride of Milford (POM). Dies ist unser groesstes Boot, das erstens als Lager fuer alle auf den Booten verkauften Drinks, Schokolade usw dient und ausserdem fuer all die Dinge, die wir auf den Booten eben benoetigen. Dort zaubern wir jeden Morgen leckere Sandwiches und all die anderen Snacks, die man im Voraus mit seiner Cruise buchen muss. Im Durchschnitt erstellen wir taeglich 100 Sandwiches. Je nach Verfuegbarkeit von Personal treten sich manchmal 5 Leute gegenseitig dabei auf die Fuesse und an manchen Tagen versucht man zu zweit, all die Arbeit zu meistern. Mit Fortschreiten der Zeit wird es auf POM immer ruhiger, weil mehr und mehr Boat Hosts zu den anderen Booten wechseln, auf denen sie fuer diesen Tag arbeiten. POM verlaesst als letztes Boot 11 Uhr den Hafen, um diese Zeit kommt die Lady of the Sounds (LOTS) schon wieder von ihrer ersten Cruise zurueck.

Auf POM zu arbeiten ist meist recht stressig und arbeitsintensiv, weil dort die meisten Passagiere mitfahren. Alle Reisegruppen kommen auf dieses Boot, weil es immer Buffet gibt und das ist fuer solche Gruppen sehr bequem, da es Zeit spart. Besonders haeufig haben wir Reisegruppen mit Japanern und Koreanern, das macht ungefaehr 70% unserer Passagiere auf der POM aus. Asiatische Touristen sind eine wichtige Zielgruppe in Neuseeland und deswegen sind sie sehr umsorgt. Gerade im kulinarischen Sinn achten wir sehr darauf, dass es den asiatischen Gaesten an nichts fehlt und so gibt es einige Dinge, speziell fuer den asiatischen Geschmack (gruener Tee gratis fuer die Japaner, eine spezielle Miso Suppe fuer die Koreaner). Haben sich Inder angekuendigt, gibt es vegetarisches indisches Buffet, da sich die meisten Inder vegetarisch ernaehren.

Der groesste Teil der Arbeit auf POM besteht aus Tischen abraeumen, Geschirr spuelen und das Buffet nach dem Essen zu saeubern. Bei manchmal 300 Passagieren keine leichte Aufgabe. Das ganze sollte auch so schnell wie moeglich geschehen, weil erstens der Seegang auf der Tasmanischen See manchmal recht stuermisch ist man dann nichts mehr auf den Tischen stehen haben moechte und zweitens, weil die Passagiere nicht waehrend der ganzen Cruise auf ihre dreckigen Teller schauen moechten. Sehr hilfreich ist dabei, dass die meisten Leute nach dem Essen aufstehen und sich nach draussen begeben. Das Saeubern wird erheblich erschwert, wenn ueberall Leute sitzen. Oftmals schlafen Passagiere in den Sitzreihen, denn das permanente Reisen im Tourbus scheint recht anstrengend zu sein. Jemand hat es mal ganz treffend hinsichtlich der asiatischen Reisegruppen formuliert: waky waky, klicky klicky, peey peey, sleppy sleepy (sie werden am Morgen in einen Reisebus verfrachtet, dort schlafen sie bis sie aufgeweckt werden, damit sie Sehenswuerdigkeiten nicht verpassen. Nach ein paar Pflichtfotos und einer Zwangspinkelpause steigen sie alle wieder in den Bus und schlafen weiter).

Ein bisschen Spass muss sein, deswegen lassen wir es uns an stuermigen Tagen nicht nehmen, beim Rausfahren auf die Tasmanische See draussen auf dem Vorderdeck auf den Wellen zu reiten. Auch die ein oder andere Dusche unter einem Wasserfall gehoert zum normalen Tagesablauf.

Oefter kommt es vor, dass der VIP Raum der POM von speziellen Reisegruppen (meistens Amerikanern) gebucht wird. Dann muss einer von uns permanent dort bleiben und sich um die Leute kuemmern, Sekt nachschenken und schauen, dass alles sauber ist. Entgegen all meiner Bedenken waren alle Amerikaner, die ich bisher dort betreut habe, alle ausserordentlich nett und unterhielten sich ausgiebig mit mir. Viele von ihnen kennen Deutschland aus Kriegszeiten recht gut und ich traf schon einige, die sogar Familie in Deutschland haben. Erst vor ein paar Wochen traf ich eine Deutsche, Heidi, die schon seit 40 Jahren in Amerika lebt. Sie fiel mir sofort ins Auge, denn sie trug einen Anstecker, der besagte „Kiss me I am German“. Ich muss gestehen, dass ich auf diesen Anstecker noch immer sehr neidisch bin!

Nach 2 Cruises ist Schluss fuer die POM und es ist saubermachen angesagt. Das dauert aufgrund der Groesse des Bootes so seine Zeit und meist gehen wir so kurz nach 4 Uhr nach Hause. Die POM Crew wartet immer auf die Spirit of Milford (SOM), die spaeter in den Hafen einlaeuft. Mit vereinten Kraeften wird die SOM gecleant, was nicht so lange dauert, weil SOM kleiner ist. Die Crew der LOTS hat leider nicht so viel Glueck, denn sie kommen erst 4:45 Uhr in den Hafen zurueck. Um die Zeit sind die anderen schon zu Hause, so dass sie das Boot alleine sauber machen muessen. Dort ist aber meistens nicht so viel los, so dass man oft schon waehrend der letzten Cruise einiges putzen kann und dann geht der Rest auch recht schnell, wenn die Passagiere vom Boot runter sind.

Das 4. Boot, die Lady Bowen (LB) ist eine Ausnahmeerscheinung in fast allen Bereichen, da dies ein anderes Produkt ist. Es nennt sich Encounter Cruise, ist teurer, dafuer laenger und das Boot ist kleiner, so dass man erstens naeher an bestimmte Dinge ranfahren kann und es ist zweitens auch angenehmer, nur mit 50 anderen Leuten im Boot zu sitzen, anstatt mit 150 anderen. Die Crew faengt spaeter an, macht also morgens auch keine Food Preparation, dafuer arbeiten sie allerdings auch bis 6 Uhr abends. Ich arbeite nicht auf diesem Boot, weil die Crew dort intensiv in den Kommentar des Skippers mit einbezogen wird und selbst mal das Mikrofon in die Hand nehmen und sprechen muss. Das mag ich nicht. Ausserdem mag ich es nicht, den ganzen Tag fuer die Unterhaltung der Leute zu sorgen. Ich beantworte gern Fragen oder unterhalte mich mit den Leuten, aber auf der LB wird von der Crew eine Art Unterhaltungsprogramm erwartet (immer lustig sein usw.) und dazu habe ich keine Lust.

Je nach Boot ist es ganz unterschiedlich, wie unsere Pausen ausfallen. Auf der POM haben wir 10 Uhr Pause und das ist immer ganz lustig, weil dann auch die Galley Leute (Kueche) nach oben kommen und auch die Leute vom office vorbeischauen und da gibt’s immer den neuesten Klatsch und Tratsch. Mittag essen wir meistens vom Buffet oder man macht sich eben was anderes, wenn einem das Buffet zum Hals raushaengt (was nach einiger Zeit passiert, weil es immer das selbe ist). Auf SOM und LOTS muss man seine Fruehstueckspause waehrend der Cruise machen, weil die Boote schon 9 bzw. 10 Uhr ablegen. LOTS hat dann 1 Stunde Zeit fuer die Mittagspause und wir gehen dann immer zurueck zu unserer Unterkunft in die Gemeinschaftskueche und kochen, weil auf LOTS keine Buffets mehr stattfinden und somit auch kein Essen auf dem Boot gelagert wird. Je nach dem, ob auf SOM Buffet stattfindet oder nicht, essen wir vom Buffet oder die Galley Leute sind meistens an nicht-Buffet-Tagen so liebenswuerdig und bereiten fuer die gesamte Crew (Skipper, Boat Hosts und Galley) etwas zu.

Zu Hause angekommen, zeigt sich mal wieder, wie unterschiedlich die Leute sind und so legen sich einige erstmal schlafen, andere waschen ihre Waesche, andere widerrum unternehmen etwas (gehen wandern, kajaken oder joggen), manche quaelen sich im Fitnesstudio und widerrum andere haengen vor der Glotze.

Im Grossen und Ganzen ist dies der Ablauf jeden Tages, der durch bestimmte Faktoren beeinflusst wird. Dies sind zum Beispiel das Wetter, die Anzahl der Passagiere, die Anzahl der Crew (an manchen Tagen hat man eine Kranmeldung nach der anderen), die Passagiere selbst und natuerlich das Boot, auf welchem man arbeitet. Wie schon mal geschrieben, ist POM das arbeitsintensivste Boot. Trotzdem liebe ich es, auf diesem Boot zu arbeiten. Auch wenn man am Abend nicht mehr stehen kann, weil die Fuesse weh tun, aber wenigstens geht die Zeit recht schnell rum. Auf LOTS langweilige ich mich meistens nur, weil es nicht viel zu tun gibt und man will ja auch nicht staendig den Kuehlschrank auswischen. Und den ganzen Tag mit Passagieren reden kann man auch nicht, schliesslich sind die nicht zu meiner Unterhaltung da sondern um den Milford Sound zu sehen, Fotos zu schiessen und die Cruise zu geniessen. Ganz praktisch ist, dass man dann immer recht viel Zeit hat, mit dem Skipper zu plaudern und ab und zu darf man dann auch mal das Boot steuern.

Donnerstag, Dezember 14, 2006

hike zum lake marian

Das Leben in Milford Sound mit all dem gratis Essen macht traege und so stand mal wieder koerperliche Ertuechtigung auf dem Programm. Diesmal suchte ich mir den lake marian aus, der vom Hollyford Valley aus zu erreichen ist. Das erste Stueck des Weges ist fuer Passagiere von Tourbussen gut geeignet. Sie stoppen dort, geben den Leuten ne halbe Stunde Pause und sie koennen zu einer Aussichtsplattform laufen, von der man schoene Fotos machen kann. Danach gehts wieder in den Bus und ab Richtung Milford Sound. Fuer mich war nach 15 Minuten natuerlich noch nicht Schluss und ich kletterte weiter ueber Stock und Stein, kaempfte mich durch Matsch und kletterte wie eine Bergziege hoeher und hoeher.

Zwischenzeitlich bemerkte ich einen Kea hinter mir, der auf mich aufmerksam geworden war und auf einen dummen Touristen hoffte, der ihn fuettert. Das tat ich natuerlich nicht, was ihn dazu veranlasste, mich ein Stueckchen zu verfolgen- man weiss ja nie, was da aus dem Rucksack fallen koennte...Nach ein paar Minuten gab er auf und flog davon. Nach ca. 1 1/2 Stunden kam ich am lake an und als ich mich naeherte, hoerte ich einen fuerchterlichen Laerm und bemerkte eine Lawine, die sich donnernd ihren Weg ins Tal suchte. Das war schon recht beeindruckend und ich war wirklich froh, weit genug entfernt zu sein. Lake marian ist ein Gletschersee, der sich in einem von Gletschern geformten Tal befindet.

Nach einem kleinen Picknick lief ich ein wenig umher und ging meiner Lieblingsbeschaeftigung nach - Fotos schiessen! Der Track war recht beliebt an diesem Tag, was ich dem wunderschoenen Wetter zuschreibe und so traf ich einige wanderlustige Zeitgenossen, darunter natuerlich auch wieder Deutsche. Zurueck in Milford gings auch gleich ins Fitnessstudio, was ich schon seit Wochen taeglich durchstehe. Einer meiner Arbeitskollegen hat mir einen Fitnessplan aufstellt und so trainiere ich nun endlich mal unter fachmaennischer Aufsicht. Mal sehen, ob's hilft.

Mittwoch, November 29, 2006

Wind, Wind und nochmals Wind

Der heutige Tag fing eigentlich ganz normal an. Seit gestern regnet es non stop wie aus Kannen, was aber nichts aussergewoehnliches fuer uns hier ist. Der Tag entwickelte sich dann aber doch ganz anders...

Wir hatten all unsere Passagiere an Bord und warteten darauf, ablegen zu koennen. Der Skipper entschied sich dagegen, weil es zu windig war. Von anderen Skippern erfuhr er, dass im Fiord Windgeschwindigkeiten von teilweise 100 Knoten (185 km\h) herrschten. Selbst in Harrison's Cove, dem abgeschiedensten Teil des Fiords, waren es noch 70 Knoten (130 km\h). Das Boot ist zwar unser groesstes, ist aber nur aus Aluminium und wiegt daher "nur" 200 Tonnen, waere also hin und her geschaukelt worden. Selbst andere Boote, die weitaus schwerer sind, als unser Boot, blieben im Hafen. Da sassen wir also mit unseren Passagieren, sie saettigten sich am Buffet und danach gingen sie wieder. Einige unserer Boote liefen aus, das aber mit unterschiedlichem Ausgang. Das kleinere wurde durchgeschuettelt und zwei Passagiere fielen und verletzten sich. Ein anderes Boot (kleiner als wir aber doppelt so schwer) hatte ebenfalls eine schaukelige Fahrt, aber sonst passierte gluecklicherweise nichts (wenn man mal von unserem Kuechenpersonal absieht, dass mehr Zeit auf dem Klo verbrachte als in der Kueche...).

Auch die 2. Cruise wurde gecancelt, so dass wir heute ein wenig frueher nach Hause gekommen sind. Selbst Leute, die hier schon seit einigen Jahren arbeiten, versicherten uns, dass sowas nicht haeufig vorkommt und so waren wir ganz froh, der Routine ein wenig zu entkommen. Die meisten Passagiere konnten das alles auch ganz gut verstehen und waren zwar enttaeuscht, aber trotzdem guter Laune. Am Ende geschieht dies alles ja auch nur zu ihrer eigenen Sicherheit, denn es bringt nichts, wenn sie durchgeschuettelt werden und ihnen alles um die Ohren fliegt. Und gerade mit all den Asiaten an Bord fuehle ich mich in solch einer Ausnahmesituation sowieso nicht wohl, denn wenn man ihnen im Notfall zu erklaeren versucht, was sie tun (oder nicht tun) sollen, verstehen sie es meistens nicht.

Gestern morgen staunten wir uebrigens nicht schlecht, als wir in unserem Vorgarten einen Seal herumliegen sahen. Der Arme hatte sich entweder verlaufen oder wollte einfach mal ein bisschen Abwechslung. Als ich von der Arbeit kam, war er verschwunden, also hat er wohl im Laufe des Tages wieder seinen Heimweg angetreten.

Montag, November 20, 2006

Rakiura Track - Stewart Island

Nach fast einjaehriger Abstinenz in Sachen Mehrtageswanderungen (meine Tongariro Wanderung fand im Dezember 2005 statt), freute ich mich auf das Abenteuer Stewart Island. Diese Insel ist neben der Nord- und Suedinsel die dritte zu Neuseeland gehoerende Insel und liegt suedlich der Suedinsel. Um die Wanderung nicht alleine durchstehen zu muessen, verschob ich meine freien Tage und konnte mich somit zusammen mit Pavlina in dieses Abenteuer stuerzen. Mit von der Partie war ebenso Ryan, der mit uns arbeitet. Eigentlich muesste man sagen, der mit uns arbeitete, denn er verlaesst die Firma und hatte am Sonntag seinen letzten Arbeitstag. Bereits die Tage davor waren die reinste Abschiedsparty fuer ihn und so war er noch ziemlich betrunken, als wir Sonntag nach der Arbeit in Richtung Invercargill aufbrachen. Dort angekommen, mieteten wir uns in einem hostel ein, kochten zusammen, damit er mal wieder was Anstaendiges in seinen Magen bekam und schliefen recht spaet ein – besonders wir Maedels, weil Ryan naemlich schnarchte.

Tag 1:

Am naechsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Bluff, weil von dort die Faehre nach Stewart Island ablegt. Wir versuchten gar nicht erst, einen wilden Parkplatz zu finden, um uns die Parkgebuehren zu sparen sondern stellten ganz brav den Wolfgang auf einem bewachten kostenpflichtigen Parkplatz ab. Man muss es ja nicht immer kompliziert machen. Die Ueberfahrt selbst dauerte ca. 1 Stunde und wir hatten eine Schulklasse an Board. Am Anfang waren sie alle noch ganz cool und gelassen aber mit der Zeit wurden ihre Gesichter immer weisser. Einige verschwanden dann auch mal kurzzeitig mit den angebotenen Papiertueten… Da wir drei ja auf einem Boot arbeiten, machte uns das Geschaukel nichts aus- im Gegenteil, wir schliefen sogar zufrieden ein!

In Oban, der einzigen Stadt auf Stewart Island, meldeten wir uns beim DOC Office, buchten unsere Huettenpaesse und machten uns dann auf den Weg. Die erste Stunde war nicht sehr wanderfreundlich, denn wir liefen ueber geteerte Strassen zum Anfangspunkt des Tracks. Dort angelangt, entschieden wir uns erstmal, alles ruhig angehen zu lassen und das verpasste Fruehstueck nachzuholen- ganz standesgemaess am Strand.

Der erste Tag lief sich ganz wunderbar. Das Wetter war fantastisch und zwischenzeitlich benutzten wir sogar unsere Sonnencreme. Bei einer Pause am Strand sammelten wir Muscheln und als ich mich ganz interessiert einem Vogelnest naeherte, um Fotos von den zwei darin befindlichen Eiern zu machen, riskierte ich fast mein Leben, denn der dazugehoerige Vogel (ein Oystercatcher) fand das gar nicht lustig und verteidigte seine Nachkommen. Er kam im Sturzflug auf mich zugeflogen, schimpfte wie ein Rohrspatz und am Boden angekommen, lief er im Zickzack um sein Nest herum mit der Absicht, mich zu vertreiben. Nun ja, das haette ich ihm ja auch sagen koennen, dass ich seinen Eiern nichts tue, aber der war so laut, der wollte ja gar nicht zuhoeren! Besonders lustig fand ich auch den Zwischenfall mit dem Asiaten, der in einer Bucht sass und eine Pause einlegte und doch tatsaechlich eine ‘Germany’-Jacke trug. Das musste ich einfach fotografieren, das haette mir ja sonst keiner geglaubt! Pavlina und Ryan fanden das sehr lustig. Irgendwann nach ca. 5 Stunden kamen wir in der Port William Hut an und die zwei legten machten erstmal ein Nickerchen. Ich lief am Strand entlang und kaempfte mal wieder ums Ueberleben, diesmal mit Sandflies. Irgendwann gewannen sie die Oberhand und ich floh. Zum Abendessen gabs dann Nudeln, ein indisches Fertiggericht und zum Nachtisch Milchreis, den wir gemeinsam am Strand verzehrten. Das allerdings wieder nur im bewegenden Zustand, denn dort stehenbleiben sollte man aufgrund der vielen Sandflies lieber nicht. Zu spaeter Stund machten wir uns noch auf den Weg auf eine kleine Wanderung, die in eine Matsch- und Nachtwanderung ausartete. Das war schon recht abenteuerlich, vorallem weil wir in der Ferne einen Kiwi hoeren konnten. Stewart Island ist eine der wenigen Orte in Neuseeland, wo man Kiwis in freier Wildbahn sehen kann. Nun, wir konnten sie leider nur hoeren, waren aber darueber schon sehr gluecklich.

Tag 2:

Dummerweise fing es waehrend unserer Nachtwanderung an zu regnen und das hielt die ganze Nacht hindurch an. Am naechsten Morgen machte uns der Regen das Aufstehen sehr schwer, denn wer verlaesst schon gern seinen warmen Schlafsack bei diesen Aussichten! Als wir kurz nach 9 Uhr aufbrachen, hatte es schon fast aufgehoert und eine knappe Stunde spaeter regnete es gar nicht mehr. Vielen Dank an den Wettergott! Nun ja, von dem Regen haetten wir sowieso nicht viel mitbekommen, schliesslich liefen wir an diesem 2. Tag nur durch Regenwald und matschig war es sowieso. Machte also keinen grossen Unterschied. Nicht sehr angetan war ich von den vielen Holzstufen, die mal ein armer Freiwilliger in unendlicher Schufterei angelegt haben muss. Wir kletterten stundenlang bergauf und bergab und wer Treppensteigen generell hasst (weil er vielleicht auch mal wie ich im 6. Stock eines Neubaublocks gewohnt hat), kann vielleicht meine Gedanken nachvollziehen, die hier lieber nicht wiedergegeben werden sollen. Pavlina lief wie eine Maschine, was mich schon an ihrer Menschlichkeit zweifeln lies (irgendwann erwaehnte ich sogar mal ganz erschoepft Ryan gegenueber, dass Pavlina nicht menschlich sein kann!), weil sie ohne nach Luft zu schnapfen die vielen Stufen nach oben kletterte und munter weiter lief, waehrend ich schnaufend 2 km hinter ihr zurueck lag und fuer einen leider nicht vorhandenen shuttle Bus betete. Die Stufen liesen zwischenzeitlich mal nach, was mich hoffen lies, aber leider wurde es dadurch nicht besser. Nun mussten wir uns naemlich einen Weg durch unendlich grosse Matschgruben bahnen. Sehr viele Alternativen dabei gabs meistens nicht, man konnte nur waehlen zwischen sehr tief, tief und ein bisschen weniger tief als sehr tief. Was heissen soll, dass man auf alle Faelle im Matsch stand, egal wie clever man sich anzustellen versuchte. Das ging so weit, dass ich mich irgendwann sogar wieder auf die Stufen freute – unglaublich! Nun ja, die Tatsache, dass ich an diesem Tag nicht sehr viele Fotos geschossen habe, ist deutliches Indiz dafuer, dass der Tag fuer mich sehr anstrengend war. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich diesen Tag ueberhaupt nicht genossen habe. Dafuer war ich viel zu sehr mit lebensnotwendigen Aufgaben (atmen!) beschaeftigt.

Als wir die North Arm Hut erreichten, machte sogar ich ein kleines Nickerchen und das soll schon was heissen! Danach fuehlte ich mich allerdings wieder frisch und munter (na ja die schmerzenden Beine verschweigen wir da mal lieber…) und ich spazierte wieder mal an einem Strand umher. Nun hatte ich auch wieder Zeit und Muse zum fotografieren. Zum Abendbrot gabs mal wieder – ja Ihr habt es erraten- Nudeln und zwar sehr viele davon, weil wir all unsere Vorraete verputzen wollten, schliesslich war dies ja unsere letzte Nacht auf dem Track. Die Fertignudeln sind allerdings so stark gesalzen, dass ich literweise Wasser getrunken habe und deswegen nachts noch mal raus aufs Klo musste. Pavlina konnte aufgrund 3 sich abwechselnder Schnarcher in der Huette auch nicht schlafen und musste auch mal fuer kleine Maedels und so gingen wir gemeinsam, schliesslich war das Plumsklo einige hundert Meter entfernt und es war stockdunkel. Wir blieben sogar noch ne ganze Weile draussen und beobachteten den Sternhimmel, der atemberaubend schoen war! Wer schon mal solch eine Wanderung gemacht hat und in einer der Huetten uebernachtet hat, weiss, wie schlecht die Luft bei so vielen Leuten ist und so fluteten wir die Huette mit frischer Luft. Problem an der Sache – ich schlief unter dem geoeffneten Fenster und hatte die ganze Nacht ein kaltes Gesicht und am naechsten Morgen hatte ich die Quittung – ne fette Erkaeltung.

Tag 3:

Der 3. Tag fing wieder recht stufenreich an, aber nach ca. 2 Stunden wurde es besser. Das Wetter war wieder super, sehr sonnig und warm und so machten wir oefters mal Pausen an Straenden, um Sonne zu tanken. Straende haben wir ja gestern nicht gesehen, deswegen gabs einiges nachzuholen. Zum Schluss des Tracks wurde der Gehweg sogar richtig breit und erinnerte mich daher an unsere tollen Wanderwege im Thueringer Wald, wo man als Wandergesellschaft auch mal nebeneinander herlaufen und miteinander reden kann. Das konnten wir die letzten beiden Tage naemlich nicht. Geredet habe ich an diesem Tag trotzdem nicht so viel, denn erstens habe ich wieder Zeit fuer Fotos gehabt und zweitens war ich mit meinen Taschentuechern beschaeftigt. Ausserdem hing jeder seinen eigenen Gedanken nach: Ryan dachte wohl an seine bevorstehende Entdeckungstour durch Neuseeland sowie seine Rueckkehr nach Amerika, Pavlina war hoechstwahrscheinlich gedanklich mal wieder in ihrem Bett, denn sie koennte den ganzen Tag schlafen und ich dachte eben an den Thueringer Wald. Haette gerne meinen kleinen Seppl dabei gehabt, der haette sich bestimmt pudelwohl gefuehlt!

In Oban angekommen, machten wir uns erstmal auf den Weg zum DOC, um denen Bescheid zu geben, dass wir wieder heil angekommen sind. Dort traegt man sich naemlich in ein Buch ein und sagt Bescheid, wohin man geht und wann man gedenkt wiederzukommen. Ist man einen Tag spaeter immer noch nicht aufgetaucht, starten sie eine Suche. Danach versuchten wir, eine guenstige Unterkunft in Oban zu finden, weil wir geplant hatten, noch eine Nacht laenger auf Stewart Island zu bleiben. Das war aber unmoeglich, weil alle guenstigen Uebernachtungsmoeglichkeiten ausgebucht waren. So aenderten wir eben unsere Faehrueberfahrt von Donnerstag auf Mittwoch und ueberbrueckten die knapp 2 Stunden mit Kaffetrinken in einem kleinen netten Cafe (das sich in deutschem Besitz befindet), gingen ein wenig am Strand spazieren und Ryan goennte sich sogar ein kleines erfrischendes Bad. Die Sandflies waren allerdings auch hier eine riesige Plage und so zieren noch heute einige ihrer Bisse die verschiedensten Bereiche meines Koerpers. Nach einem kleinen Abstecher in den einzigen Supermarkt des Ortes verliebten Pavlina und ich uns in zwei Hunde, die auf einem Pickup vor der Tuer angebunden waren und sich ueber unsere Streicheleinheiten freuten. Der eine war noch ein Welpe von schaetzungsweise 10 Wochen und wir haetten ihn am liebsten mitgenommen!!! Die Trennung fiel schwer und wir drehten uns noch einige Male um und bereuten, dass wir sie nicht mitnehmen konnten. Die Faehrueberfahrt hatte es diesmal in sich, die See war sehr stuermig und wir huepften ueber die Wellen. Hinterher meinte ich zu Pavlina und Ryan, dass ich schon sehr froh bin, auf einem Boot zu arbeiten und an das Geschaukel gewoehnt zu sein, sonst haette ich heute wohl auch Gebrauch von den Papiertueten machen muessen… Der Kapitaen hiess uebrigens Tuna (englisch fuer Tunfisch und Pavlina und ich kriegten uns ueber diesen Namen einfach nicht mehr ein!).

Nach Ankunft in Bluff gings sofort wieder nach Invercargill, wo wir in das selbe Hostel einscheckten, wie letzten Sonntag, allerdings steckte man Ryan diesmal in ein anderes Zimmer (man ging wohl automatisch davon aus, dass Ryan schnarcht und wollte uns was Gutes tun – was ja auch stimmte!). Nach einer Dusche, fuer die ich fast ueber Leichen gegangen waere, gingen wir einkaufen und kochten uns ein wohlverdientes Abendessen – keine Nudeln!!! Ausserdem telefonierte ich noch ueber eine Stunde mit Claudia, die heute leider Neuseeland verlassen muss und ziemlich traurig darueber war. Meine liebe Claudia, war schoen Dich getroffen zu haben, ich wuensch Dir einen tollen Heimflug und ich bin mir sicher, dass Dich Deine Leute zu Hause nicht vergessen haben :-)

Am Donnerstag erledigten wir noch einige Dinge in Invercargill, fuhren zurueck nach Te Anau, wo es auch noch einige Dinge zu erledigen gab (geborgten Gaskocher zurueckgeben usw.) und dann goennten wir uns noch eine Gratisvorstellung des Fjordland Films „Shadowland“, der nur im Te Anauer Kino ausgestrahlt wird. Da wir in Milford arbeiten und als locals (Einheimische) gelten, mussten wir nichts bezahlen. Ich hab den Film sowieso schon gesehen, aber Pavlina kannte ihn noch nicht. Durch unseren Aufenthalt in Te Anau verloren wir einiges an Zeit, aber somit hatten wir wenigstens nicht all die Touristen vor uns auf der Milford Road, die zur Hauptreisezeit (Mittagszeit) immer sehr belebt ist. Fuer Ryan war es die letzte Fahrt nach Milford und so war er recht melancholisch aufgelegt. Inzwischen hat er uns verlassen (er reiste gestern, am Sonntag ab) und hinterlaesst einige lustige stories, die ihn komischerweise fast immer im angetrunkenen Zustand zum Inhalt haben…

Wow, das war ein recht langer Bericht, sorry an alle, die inzwischen schon ein paar Mal mit den Augen gerollt haben. Der Bericht waere noch viel laenger geworden, wenn ich jeden einzelnen Sandflies-Biss aufgezaehlt haette J. Fotos von Rakiura gibt es hier anzuschauen. Ach so, Rakiura ist uebrigens der Maori Name fuer Stewart Island und wird uebersetzt als ‚The Land of the Glowing Skies“ was soviel bedeutet wie „Land der gluehenden Himmel“ und man nimmt an, das dies erstens die Suedlichter meint, die man am Sternenhimmel sehen kann, wie auch die ‚gluehenden’ Sonnenuntergaenge. Ausserdem hat die Insel noch verschiedene andere Maori Namen und hat eine wichtige Bedeutung in der Entstehungsgeschichte Neuseelands inne, aber damit moechte ich Euch heute verschonen. Wen sich genuegend Leute dafuer interessieren, kann ich dies gerne nachholen.

Freitag, November 17, 2006

Auf den Spuren von Frodo und Sam sowie hoch ueber den Wolken

Queenstown habe ich nun schon ein paar Mal ’links’ liegen gelassen mit dem Ziel, es mir spaeter genauer anzuschauen. Dieser Zeitpunkt war nun gekommen und so checkte ich in einem schoenen Motel ein und erkundete die Umgebung von Queenstown. Mit der Gondola fuhr ich einen Berg hinauf, bestaunte die Landschaft, lief einen kleinen Rundtrack und wunderte mich mal wieder ueber Verrueckte, die entweder bungyspringend oder ueber einem Abgrund schwingend ihre Kreischmuskeln forderten, ihren Geldbeutel strapazierten und fuer Adrenalinstoesse sorgten. Unten wieder angekommen unternahm ich einen relaxten Spaziergang durch die Queenstown Gardens und sah der Sonne beim Untergehen zu. Am naechsten Tag stand Herr der Ringe Sightseeing auf dem Programm und so fuhr ich nach Glenorchy und zum Twelve Mile Delta und genoss das herrliche Wetter. Die Landschaft war atemberaubend und ich brauchte gar nicht ganz spezielle Locations von den Dreharbeiten aufsuchen, um mich in den Film versetzt zu fuehlen. Als ich dann in Queenstown auf die Deer Park Heights herauffuhr, haette ich mich wirklich nicht darueber gewundert, wenn ploetzlich hunderte von Reitern um die Ecke geschossen gekommen waeren, so autentisch fuehlte sich das an. Ich lernte sogar noch was dazu an diesem Tag, denn ich wusste nicht, dass oben auf dem Huegel ein altes Filmset von 1986 fuer einen Walt Disney Film steht. Dabei handelt es sich um ein Koreanisches Gefaengnis und es passt so gar nicht in diese wunderschoene Landschaft. Da fragt man sich, warum Peter Jackson all diese wunderschoenen Kulissen fuer Herr der Ringe wieder abreisen musste und sogar eigens fuer die Filme gebaute Strassen wurden wieder rueckgebaut, um alles wieder in den Urzustand zu versetzen und da steht nun diese Ruine und verrottet. Verstehen muss man das nicht! Der oder die Eigentuemer dieser Gegend verdienen sich am Herr der Ringe Tourismus eine goldene Nase, denn sie verlangen 20 Dollar Eintritt pro Fahrzeug! Nun ja, was tut man nicht alles….

Wieder im Milford Sound angekommen, eroeffneten mir Jill und Kevin, dass sie ihr schon seit laengerem geplantes Vorhaben vom Picknick auf dem Mitre Peak nun verwirklichen wollen. Ich hatte ihnen damals schon zugesagt, auf jeden Fall mit von der Partie zu sein und so charterten wir einen Helikopter und flogen zu viert (zusammen mit Kyle, den wir dazu ueberredeten, weil wir eine vierte Person brauchten) fuer einen absoluten Schnaeppchenpreis hoch auf den Mitre Peak. Der Flug war absolut genial, wenn auch leider viel zu kurz, aber so ist das ja immer. Wir flogen ueber dem Sinbad Gully hoch auf den Mitre Peak, stiegen aus und breiteten unser Picknick aus. Wir hatten uns auf kuehle Temperaturen und viel Wind eingestellt und waren dementsprechend mit mehreren Kleidungsstuecken ausgeruestet – und haben diese erstmal ausgezogen, weil es ueberraschenderweise fast windstill war. Und das in einer Hoehe von schaetzungsweise 1500 Metern (Mitre Peak ist 1682 Meter hoch, aber bis oben konnten wir natuerlich nicht landen und wurden weiter unten abgesetzt). Die Aussicht war speaktakulaer und ich schoss unendlich viele Fotos (wann hat man schon mal die Gelegenheit dazu). Nicht wirklich ueberrascht war ich ueber die Tatsache, dass sich Sandflies doch tatsaechlich bis in diese Hoehen vorwagen. Diesen kleinen Biestern traue ich inzwischen alles zu! Nach knapp 2 Stunden wurden wir wieder abgeholt und der Flug zurueck glich einer Fahrt in der Achterbahn. Der Pilot stuerzte den Helikopter die Abhaenge runter und mein Magen schlug Purzelbaeume. Ich war froh, dass ich hinten sass. Beim Hinflug sass ich vorne auf dem aeussersten Sitz und da die Tueren fast vollstaendig verglast sind, hat man das Gefuehl, dass man aus dem Helikopter faellt, wenn er sich in die Kurven legt. Der Tag nahm einen perfekten Abschied in Form eines von der Firma gesponserten BBQ im Unterwasser Observatorium.

Mittwoch, November 01, 2006

Cruise auf dem Doubtful Sound

Da ich ja nun im Fjordland arbeite, moechte ich natuerlich auch so viele der anderen Fjorde sehen, wie es mir moeglich ist. Am einfachsten ist dies noch mit dem Doubtful Sound, da dort Cruises von unserer Milford Konkurrenz durchgefuehrt werden. Milford Sound ist der einzige Fjord, der durch eine direkte Strasse zu erreichen ist, Doubtful Sound kann nur durch einen Trip ueber den Lake Manapouri mit anschliessender Bustour ueber den Wilmot Pass erreicht werden. Ich machte also am Real Journeys Schalter in Milford einen Cruise Termin fuer den naechsten Tag klar und man setzte mich auf eine Warteliste, da ich den Vorteil geniessen durfte, den Trip gratis zu bekommen. Man konnte mir keine verbindliche Zusage machen, bat mich aber, am naechsten Tag am Lake Manapouri zu sein, von wo aus die Reise startete. Das Wetter war fantastisch, deswegen passierte, was ich vermutet hatte; alles war ausgebucht und man hatte keinen Platz mehr fuer mich. Man bot mir aber einen anderen Trip auf einem anderen Boot an, was ich dankend annahm. 30 Minuten spaeter gings dann auch schon los.

Die Bootsfahrt ueber den Lake Manapouri, dem fuenftgrossten See Neuseelands mit seinen 33 Inselchen und den umgebenden Bergen, war landschaftlich zwar sehr schoen, aber ich war ja eigentlich wegen dem Doubtful Sound gekommen und der ist ja nun um einiges spektakulaerer. Die Bootsfahrt zog sich daher etwas lang, gerade auf dem Rueckweg hatte ich das Gefuehl, nie anzukommen.

In West Arm stiegen wir aus und dort befindet sich auch das unterirdische Kraftwerk, welches wir auf dem Rueckweg besuchten. Wir bestiegen einen Bus und mir wurde schlagartig bewusst, welches Glueck ich hatte, Neuseeland in meinem eigenen Auto zu erkunden. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, in einem Bus mit zig anderen Leuten zu sitzen und zu vorher festgelegten Foto-, Pinkel- und Essenspausen auszusteigen. Die meisten Leute im Bus waren mindestens doppelt so alt wie ich, aber das stoerte mich weniger. Viel aergerlicher war, dass die Fahrt ueber den Wilmot Pass durch wunderschoene Landschaft fuehrte und es mir in den Fingern juckte. Ich haette so gerne angehalten und Fotos gemacht! Nach ca. 1 Stunde im Bus waren wir in Deep Cove angekommen, wo wir den Fjordland Navigator, unser Boot, bestiegen. Mit einer Tasse Tee und bewaffnet mit meiner Kamera machte ich es mir auf dem Aussichtsdeck bequem, dick eingemuffelt um dem Wind zu trotzen. Doubtful Sound ist so ganz anders als Milford Sound, obwohl sie beide durch Gletscheraktivitaeten entstanden sind und alle typischen Merkmale dafuer (haengende Taeler, U-Taeler, Gletscher) auch hier vorhanden sind. Aber Doubtful Sound ist nach dem Dusky Sound mit seinen 40 km Laenge der zweitgroesste aller Fjorde, waehrend Milford Sound gerade mal 17 km lang ist. Aufgrund seiner Groesse ist der Doubtful Sound auch breiter und dies ist meiner Meinung nach ein Grund dafuer, dass er nicht ganz so spektakulaer ist, wie der Milford Sound. Dort hat man steil aufragende Felswaende, an denen man dicht vorbeifaehrt und die Felswaende auf der anderen Uferseite sind nicht weit entfernt. Das ist im Doubtful Sound anders, die Entfernungen sind einfach zu gross. Dafuer findet man dort aber viele kleine Inselchen und 3 Seitenarme, die es zu erkunden gibt. Einige dieser Seitenarme an sich sind schon laenger als der Milford Sound. Nicht nur die Welt, sondern auch Neuseeland ist ein Dorf und so stellte sich heraus, dass ein Maedel, mit der ich zusammen in Christchurch bei Statistics New Zealand arbeitete, nun fuer Real Journeys im Doubtful Sound ihr taeglich Brot verdient.

Nach ca. 2,5 Stunden war der ganze Spass vorbei und wir bestiegen den Bus, um zurueck nach West Arm zu fahren, wo die Besichtigung des unterirdischen Kraftwerks anstand, das das groesste seiner Art in Neuseeland ist. Die durch Wasserkraft erzeugte Elektrizitaet hat eine geringe Umweltbelastung, da weder Wasser noch Boden verschmutzt wurden. Viel Zeit zum Umschauen blieb nicht, denn wir waren sowieso schon zu spaet und man wartete bereits mit dem Boot auf uns, um uns zurueck ueber den Lake Manapouri zu bringen. Ich fuhr am selben Tag zurueck nach Milford und kann nun sagen, dass ich 2 der insgesamt 15 Fjorde gesehen habe. Wie ich in einem der letzten Beitraege schon mal geschrieben habe, ist die Bezeichnung Sound falsch, man behaelt diese aber trotzdem bei allen Namen bei, weil sie sich nun so eingepraegt haben. In Anerkennung der Entstehung durch Gletscheraktivitaeten wird das Gebiet deshalb ‚Fiordland’ genannt, was alles richtig stellen soll.

Mal wieder ein paar Tage frei

Diesmal wollte ich mich an meinen freien Tagen durch das schlechte Wetter nicht ins Boxhorn jagen lassen und fuhr einfach mal aufs Geradewohl los. Da ich bei meinem letzten Besuch im April nicht sehr viel Zeit fuer die Catlins hatte (ganz im Sueden der Suedinsel) wollte ich sie mir noch mal genauer anschauen. Den idyllisch ruhigen Seen Manowai und Hauroko (Neuseelands tiefster See) stattete ich vorher noch einen Besuch ab.

Auf meinem Weg in die Catlins begegnete ich einem Phaenomen, das mich jetzt noch zum Schmunzeln bringt. Ich passierte mal wieder hunderte von Schafen bevoelkerte Weiden und stellte mit Verwunderung fest, dass sie alle in Richtung Strasse schauend am Zaun standen. Da standen also die Muetter mit den veraengstigten Laemmern und langsam glaube ich, dass es eine Art Lehrstunden fuer die Kleinen war. Thema: Wie ignoriere ich vorbeifahrende Autos. Ziel: Bloss nicht aus der Ruhe bringen lassen! Denn was wie ausgelassenes Herumtollen der Laemmer aussieht, ist in Wahrheit das Fluechten vor den Autos. Kaum hoeren die Laemmer den Laerm eines Autos, springen sie auf und fluechten zu Mama oder fluechten mit ihr, falls sie vergessen hat, ein gutes Beispiel fuer die Kleinen abzugeben und gleichgueltig in die Weltgeschichte zu blicken.

Nun gut, dachte ich mir beim Anblick der Schafe (und fuehlte mich teilweise schon beobachtet und im Zentrum aller Aufmerksamkeit), lass sie eben die Strasse anstarren, wenn sie nichts besseres mit sich anzufangen wissen. Als ich dann einige Minuten spaeter das gleiche Verhalten bei Kuehen beobachtete, wusste ich nicht mehr, was ich davon halten soll. Vielleicht kann mir ja ein Hobby-Tier-Psychologe mit einer logischen Erklaerung aushelfen. Ist das noch mit normalem Herdenverhalten zu erklaeren?

Im Uebrigen gibt es ja in jeder Familie ein sogenanntes schwarzes Schaf. In dieser Familie (nebenstehendes Foto) gibt es sogar zwei. Wer von den Eltern dies zu verantworten hat, duerfte wohl ungeklaert bleiben.

In den Catlins klapperte ich die obligatorische Touristenroute ab, fotografierte wie eine Wahnsinnige Wasserfaelle (hab ja schon so lange keine mehr gesehen :-)) und trudelte irgendwann mal wieder in Milford ein. Dort arrangierte ich einen ganz besonderen Ausflug, ueber den ich beim naechsten Mal berichten werde.

Montag, Oktober 30, 2006

Jubilaeum!

Heute (29.10.) vor genau 1 Jahr bin ich in Neuseeland angekommen. Ich stand ganz allein auf dem Aucklander Flughafen und freute mich auf 12 Monate Abenteuer in diesem mir damals unbekannten Land. Die 12 Monate sind nun rum und ich kann abschliessend nur sagen, dass ich diesen Schritt nicht bereut habe. Ich habe soviele nette Menschen kennengelernt und sovieles gesehen, dass ich gar nicht wuesste wo ich anfangen soll, wenn mich jemand danach fragte. Vielen Dank an alle, die mit ihren Gedanken immer bei mir waren, mich unterstuetzten, mir schrieben und mit ihren Ratschlaegen zur Seite standen.

Vielen Dank besonders an meine Familie, ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer einfach war, einen freien Platz am Tisch zu haben (obwohl, wie ich Euch kenne, hat da bestimmt jemand anders gesessen, wir haben ja schliesslich immer irgendjemanden zum Besuch :-) ). Es hat mir sehr geholfen, Euch immer hinter mir zu wissen und dass ich immer auf Eure Unterstuetztung zaehlen kann. DANKE!!!

Eure Katja

Donnerstag, Oktober 19, 2006

Was fuer ein Tag!!!











Letzte Nacht hat es mal wieder ununterbrochen geregnet. Eigentlich nichts besonderes, das tut es hier staendig. Viele Leute lassen sich vom Wetter abschrecken und chanceln ihre gebuchten Touren, da sie den Milford Sound nur bei schoenem Wetter sehen wollen. Was fuer ein Fehler!!! Auf unserer 1. Cruise hatten wir nur 2 Passagiere und eigentlich waere es meine Aufgabe gewesen, mich intensiv um sie zu kuemmern, Hintergrundinfos zu liefern usw. Da aber meine Arbeitskollegin Jill non-stop redet und gleich beide in Beschlag genommen hat, hatte ich Zeit, mich meiner Kamera zu widmen und Fotos zu schiessen. Das klingt jetzt einfacher als es tatsaechlich war, denn bei teilweise Windgeschwindigkeiten von 160 km/h hoppelt das Boot uebers Wasser und man hat Probleme, sich aufrecht zu halten. Man kaempft gegen Wind und Regen und gleichzeitig hatte ich staendig eine Hand auf dem Kopf, um zu verhindern, dass meine Kappe wegfliegt. Da stand ich also wie ein Betrunkener, irgendwo ans Gelaender geklammert, eine Hand an der Kappe, in der anderen die Kamera und versuchte, scharfe Bilder zu knipsen. Der Ausschuss an diesem Tag war besonders hoch und so loeschte ich spaeter mehr als die Haelfte meiner verwackelten Bilder – leider. Die Szenerie war spektakulaer, Tausende von Wasserfaellen allein an den Cascade Mountains (das ist nur ein einziger Berg!), enorme Wassermassen an den groesseren Wasserfaellen und bei diesem Wind allerhand Spruehnebel. Besonders faszinierend dabei waren die ‚water ups’- das sind Wasserfaelle, die aufgrund des starken Winds nach oben oder zur Seite geblasen werden und deswegen den Boden gar nicht erreichen.

Auf der 2. Cruise hatten wir dann auch noch das Glueck, zwei recht lebhafte Delfine aufzuspuehren. Meistens schlafen die Delfine, wenn wir sie sehen, sind also nicht sehr aktiv, diese aber waren es und genossen es, vor unserem Bug mit dem Boot um die Wette zu schwimmen und zu springen. Manchmal habe ich das Gefuehl, dass sie die óhs’und áhs’der Leute hoeren koennen und davon noch angespornt werden.

Alles in allem war dies ein sehr schoener, wenn auch sehr nasser Tag. Milford Sound kann man in zwei Extremen kennenlernen. Beim allerschoensten Sonnenschein, freier Himmel und nur zwei Wasserfaellen (die einzigen permanenten Wasserfaelle) oder eben bei Regen, Nebel und manchmal extremen Wind. Dann sieht man zwar die Berge nur unvollstaendig, dafuer aber so viele Wasserfaelle, wie man es nirgends auf der Welt vorfinden kann. Ich habe beides gesehen und finde beides traumhaft schoen und atemberaubend!

Dienstag, Oktober 10, 2006

Was tun im Milford Sound, wenn man nicht arbeitet?

Viele, die den Milford Sound kennen, denken wahrscheinlich, dass ich mich hier zu Tode langweile, wenn ich gerade nicht arbeite und fuerchten um mein Seelenheil. Dem muss ich ganz entschieden widersprechen und Ihr muesst nicht denken, dass ich nach 7 Monaten nur noch mit mir selbst spreche. Hier eine unvollstaendige Aufzaehlung all der Dinge, die man hier unternehmen kann, um der Langweile entgegenzutreten.
  1. Fernsehen, DVD Verleih unserer Firma und Internet: ist vielleicht nicht gerade der beste Zeitvertreib, aber recht bequem. Dazu muss man sagen, dass bei der Internetbenutzung die Geduld eines jeden auf eine harte Probe gestellt wird, denn wenn man von langsamer Verbindung spricht, ist das noch untertrieben. Deswegen befindet sich der Computer wahrscheinlich auch im Fernsehraum, damit man beim Warten nicht wahnsinnig wird und sich ablenken kann. Die DVD Sammlung von Red Boats kann zwar nicht mit der Sammlung vom Frauenreisehaus in Christchurch mithalten, aber im Niemandsland schraubt man seine Ansprueche an qualitative Unterhaltung drastisch nach unten.
  2. lokaler Pub: Also die Leute dort brauchen nicht zu hoffen, dass sie mich sehr oft zu Gesicht bekommen, schliesslich bin ich nur ein Gelegenheitstrinker, aber an und an finde auch ich mich zu speziellen Ereignissen des oeffentlichen Lebens im Pub ein. Diese sind zum Beispiel Quiz-Night und Bingo, die abwechselnd woechentlich stattfinden. Nachdem unser Team bei der letzten Quiz-Night klaeglich versagte, konnte ich zumindest beim Bingo eine Flasche Sekt abstauben. Obwohl ich hier im Milford Sound ausser meiner 70 Dollar woechentlich fuer Unterkunft, Essen und alles andere keine weiteren Ausgaben habe, bin ich trotzdem sehr empfaenglich fuer das free-food im Pub gewesen, denn selber kochen ist schliesslich anstrengend und ab und zu moechte man sein Essen auch mal fertig vorfinden. Das fand bisher aber leider nur einmal statt.
  3. Ausser an meinen freien Tagen, an denen ich mich als faul erklaert habe, versuche ich jeden Tag nach der Arbeit fuer ca. 1 Stunde ins Fitnessstudio zu gehen, obwohl ich zugeben muss, dass es manchmal auch kuerzer ist. Aber auch hier sage ich mir, der gute Wille zaehlt und manch anderer weiss wahrscheinlich noch nicht mal, wo sich das Fitnessstudio eigentlich befindet.
  4. gemeinsames Kochen und Essen am Abend: eine ausgezeichnete Sache, um zusammen zu quatschen, Spass zu haben und sich besser kennen zu lernen. Habe bisher ein paar Mal mit zwei anderen Maedels gekocht, obwohl man eigentlich eher von 2 Koechen sprechen kann, denn Tania, 19 Jahre, kann nicht kochen, bietet sich aber wenigstens immer zum Gemueseschneiden usw. an. Habe erschreckenderweise festgestellt, dass ihr Allgemeinwissen nicht allzu gut ausgepraegt ist (sie als Kiwi weiss nicht mal, dass Auckland NICHT die Hauptstadt Neuseelands ist) und deswegen haben wir uns ihrer ein Wenig angenommen. Waere doch gelacht, wenn wir (eine Tschechin und ich) ihr nicht noch ein bisschen was beibringen koennen. Begonnen haben wir ganz einfach und so prosten wir uns jetzt immer in vielen verschiedenen Sprachen zu. Das nennt man Voelkerverstaendigung!
  5. kuerzere oder laengere Walks: zu laengeren Walks habe ich es bisher leider noch nicht geschafft, weil mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Fuer viele Tage hatten wir allerschoenstes Wetter und als dann endlich meine 4 freien Tage vor der Tuer standen, fing es an zu regnen und hoerte fuer 3 Tage nicht mehr auf. Auf einen Walk bin ich trotzdem gegangen, was ich aber recht schnell bereute. Meine Hose war total durchnaesst aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Ist ja bloed, wenn man nach 30 Minuten laufen schon wieder aufgibt. So ganz wohl war mir aber nicht. Als dann der Weg auch noch ueberflutet war und kein Weiterkommen moeglich war (es sei denn, man watet knietief durchs Wasser), hatte ich endlich einen Grund zum Umkehren gefunden und schwor mir, erstens bei schoenem Wetter wiederzukommen und zweitens einen wasserfesten Ueberzug fuer meine Hose zu kaufen, denn leider kann man sich im Fiordland nicht auf schoenes Wetter verlassen. Mit einigen meiner Arbeitskollegen bin ich nach der Arbeit hoch zu den Bowen Falls geklettert. Wenn ich vorher gewusst haette, was mich erwartet, haette ich ne Ausrede gefunden, nicht mitzukommen. Ich war sowieso schon kaputt, der Tag war anstrengend gewesen, danach war ich noch im Fitnessstudio und dann kletterten wir an Seilen steile Urwaldpfade, glitschige Felsen und Baumstaemme empor und ich fragte mich staendig, wie wir hier eigentlich heil wieder runterkommen. Ich musste Schritte machen, doppelt so gross wie die Spannweite meiner kurzen Beine, die Seile waren nass und dann balancierten wir noch kilometerweit auf einer Pipeline entlang. Habe ich schon erwaehnt, dass wir einen Australier dabei hatten, der das ganze barfuss gemacht hat? Belohnt wurden wir mit einem phenomaenalen Ausblick ueber den Fjord und wir sahen einen der Bowen Falls, den man von unten nicht sehen kann, weil das Wasser ueber einen Felsvorsprung nach unten donnert. Nach kurzer Verschnaufpause machten wir uns auf den Rueckweg und da fing das Unheil an. Es war leider schon recht spaet und es wurde recht schnell dunkel, so dass wir nicht mehr allzu viel sehen konnten. Meine Fuesse verkeilten sich ab und an in Wurzeln oder rutschten aus und so machte mein Hintern oefter mal Bekanntschaft mit Steinen, Urwaldboden oder anderem Untergrund. Schlimmeres passierte aber nicht und so trug ich eher zur Belustigung der anderen bei. Der Mond entschied sich spaeter noch, uns den Weg zu leuchten und so kamen wir doch noch sicher am Ausgangspunkt der Wanderung an. Die anderen, die schon vorausgelaufen waren, kamen mit Taschenlampen zurueck, um uns den Weg zu leuchten (der Mond muss ja nicht alles allein machen) und ich nahm dankbar eine Dusche. Am naechsten Tag hatte ich wahnsinnigen Muskelkater in den Armen (durch die Seilgeschichte…) und die taeglichen Arbeiten liesen sich nicht so leicht ausfuehren, wie normalerweise.
  6. Lagerfeuer: Ob das immer mit rechten Dingen zugeht, weiss ich nicht, schliesslich sind wir im Nationalpark und da sollte man mit Feuern vorsichtig sein, aber egal. Was das DOC nicht weiss, macht sie nicht heiss. Jedenfalls finden hier oefter mal Lagerfeuer statt und wenn man es clever anstellt, bringt man sich sein Essen in Silberfolie verpackt mit und bereitet es in der Glut zu. Schmeckt absolut lecker! Das letzte Lagerfeuer war besonders lustig und artete im Witzeabend aus. Meine Lachmuskeln machten an diesem Abend Ueberstunden!
  7. Wie das Leben so spielt, kommen und gehen die Leute an jedem Arbeitsplatz und so haben auch wir hier schon einige Leute verabschiedet. Red Boats feiert das Ausscheiden jahrelanger Mitarbeiter auf ganz besondere Weise und so finden zu diesen Anlaessen die Parties auf unseren Booten statt. Getraenke und Fresserei zahlt die Firma, was wohl ein Grund dafuer ist, dass diese Parties immer sehr spaet zu Ende gehen. Unsere Koeche kann ich dabei nur loben, denn das Essen ist immer spitzenklasse!
  8. cruises auf dem Milford Sound: Waehrend der Arbeit kann man die Landschaft nicht geniessen und an besonders stressigen Tagen kriegt man von der Umgebung gar nichts mit, besonders wenn man auf der ‚Pride of Milford’ arbeitet, unserem groessten Boot. Deswegen habe ich mir an meinem freien Tag mal ein Cruise auf unserem kleinsten Boot gegoennt, denn erstens muss ich nichts dafuer zahlen und zweitens wollte ich mal sehen, wie es ist, wenn nur 10 Passagiere anwesend sind. Alles sehr relaxt und die Crew ist zu beneiden!
  9. An meinem letzten freien Tag (und dem ersten Tag mit schoenem Wetter) entschied ich mich, ein Stueck die Milford Road hoch zu fahren und einen Spaziergang in der Naehe des Homer Tunnels zu unternehmen. Was ich dabei nicht wusste: der Regen der letzten Tage kam in hoeheren Regionen als Schnee vom Himmel und so waren die Berge und teilweise auch Taeler mit einer Schneeschicht bedeckt. Die Aussicht war atemberaubend! Der Homer Tunnel war wie immer ein Abenteuer, denn so ohne Beleuchtung, mit all seinen Schlagloechern und Ausweichbuchten, die viel zu klein sind, um zwei Busse im Tunnel einander passieren zu lassen, muss man immer auf alles gefasst sein. Auf der anderen Seite des Tunnels hielt ich an, um ein Foto zu machen und hatte sofort einen Kea auf meinen Seitenspiegeln sitzen. Er schaute interessiert ins Auto und ueberlegte wahrscheinlich schon, was er davon anknabbern kann, wenn ich das Fenster oeffne. Diesen Fehler machte ich nicht und so bot ich ihm den Job als meine Kuehlerhaubenfigur an. Er ging nicht weiter auf das Angebot ein und suchte sich unwissende Touristen, die er leichter hinters Licht fuehren kann. Auf dem Rueckweg setzte er sich noch mal auf meine Spiegel und probierte auch die angebotene Position aus aber als sich ein ganzer Bus mit Touristen naeherte, kuendigte er mir die Freundschaft und freundete sich mit den Touristen an. Irgendwas zu fressen gibt es da schliesslich immer!
  10. cleaning: Au ja! Nicht gerade meine Lieblingsbeschaeftigung, aber manchmal muss es eben sein. Habe nur ein sehr kleines Zimmer und da bricht schnell mal das Chaos aus. Auch die Gemeinschaftsraeume muessen von uns gepflegt und gesputzt werden, was wohl aber nicht zu den meisten der Bewohnern vorgedrungen ist. Nachdem ich an einen der verregneten freien Tage mal wieder das Bad geputzt hatte, brachte ich einen Zettel mit der Notiz an, dass sie sich mich als Putzfrau nicht leisten koennen und dass auch mal andere an der Reihe seien. Mal schauen, ob’s hilft.

Samstag, Oktober 07, 2006

Fiordland (Te Moana O Atawhenua) und Milford Sound (Piopiotahi)

Im Suedwesten Neuseelands treffen vier grosse Nationalparks aufeinander (1. Aoraki / Mt. Cook National Park 2. Westland National Park / Tai Poutini 3. Fiordland National Park 4. Mount Aspiring National Park). Zusammen bilden sie die New Zealand World Heritage Area (Te Wahipounamu) mit einer Gesamtgroesse von 2,6 Millionen Hektar. Diese Region, die zum Weltkulturerbe ernannt wurde, ist weltweit bekannt fuer seine kulturelle Wichtigkeit (Maori suchten hier nach dem bekannten Greenstone) und noch mehr fuer seine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt sowie seine spektakulaere und atemberaubende Landschaft. Der Fiordland Nationalpark ist der groesste Neuseelands und ungefaehr zweimal so gross wie die anderen zusammen.

Die Einzigartigkeit des Fiordlands resultiert aus der Kombination aus hohen Gebirgen, heftigen Regenfaellen und dem Vorhandensein von Regenwald. Das viele Regenwasser (7-9 Meter pro Jahr) wird in die Fiorde gespuelt und bildet dort eine Suesswasserschicht, die auf dem schwereren Salzwasser schwimmt. Die Tannin befleckte Schicht verursacht einen Lichtfilterungseffekt, der ein spezielles Lebensumfeld fuer Organismen schafft, die normalerweise in der Tiefsee leben und hier nur wenige Meter unterhalb der Wasseroberflaeche gedeihen. Fiordland ist aus diesem Grund auch ein geschuetztes Meeresreservat mit Einschraenkungen fuer Fischerei und Tourismus. Kommerzieller Fischfang ist verboten und alle Boote, die auf den Fiorden des Fiordlands verkehren, benoetigen eine Genehmigung von der Umweltbehoerde. Dies geschieht zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt. So gibt es zum Beispiel Vorschriften dafuer, bis auf welche Entfernung man sich Delfinen und Walen naehern darf, wie man sich in ihrer Gegenwart zu verhalten hat oder auch dass die Entfernung jeglicher natuerlicher Dinge im Reservat verboten ist.

Das Fiordland ist ein recht unerschlossenes Gebiet mit einem duennen Strassennetz, denn gerade mal 2 der insgesamt 15 Fiorde sind ueber eine Strasse zu erreichen. Die restlichen Fiorde erreicht man nur ueber den Wasserweg oder mit dem Flieger/Hubschrauber. Das hat zur Folge, dass viele Tierarten ungestoert leben koennen und so war man im Jahre 1949 mehr als erstaunt, als man den laengst ausgestorben geglaubten New Zealand Takahe (Porphyrio mantelli) im Fiordland entdeckte. Der Takahe lebt in den Murchison Bergen und das DOC (Department for Conservation) hat sich der Erhaltung dieser farbenpraechtigen Voegel angenommen. Die Weibchen legen 1-3 Eier, brueten aber nur ein Ei aus, so dass die anderen verloren sind. Freiwillige vom DOC sammeln die Eier ein, brueten sie in bestimmten Brutstationen kuenstlich aus und nach erfolgreicher Aufzucht werden die Voegel in die Wildnis entlassen. Damit sie ungestoert leben koennen, sind die Murchison Berge fuer die Oeffentlichkeit unzugaenglich.

Unter dem Fiordland taucht die Australische Platte unter die Pazifische Platte, die dadurch emporgehoben wird. Die Suedlichen Alpen Neuseelands und das Fiordland sind Resultat dieser Plattenbewegungen und pro Jahr werden die Alpen 10-20 mm angehoben, das Fiordland um einige Millimeter weniger. Diese Kollisionen verursachen zahlreiche Erdbeben und statistisch gesehen gibt es pro Tag ein Erdbeben im Fiordland. Die meisten davon sind aber so schwach, dass man sie nicht spuert. In den letzten beiden Jahren gab es aber auch staerkere Beben, das staerkste war mit 7,2 auf der Richterskala zu verzeichnen.

Milford Sound ist der letzte der 15 Fiorde, die an der Westkueste Neuseelands entdeckt wurden. Grund dafuer ist seine Unscheinbarkeit vom Meer aus, denn der Eingang zum Fiord ist nur einige hundert Meter breit, so dass er vom damaligen Entdecker James Cook uebersehen wurde. Die Namensgebung ist irrefuehrend, denn Milford Sound ist ein Fiord, entstanden durch Gletscheraktivitaeten vor langer Zeit. Fiordland war fuer mehrere Millionen Jahre mit Eis bedeckt, das sich vor ca. 14.000 Jahren zurueck zu ziehen begann. Dieser Prozess war vor ca. 4000 Jahren abgeschlossen (man sieht also, dass Neuseeland geologisch gesehen ein sehr junges Land ist und eigentlich noch in den Kinderschuhen steckt). Das Eis formte die Taeler und man sieht deutlich Schleifspuren an den Felswaenden, die zwischen dem Eis und den Felswaenden eingeklemmte Felsbrocken verursacht haben. Das Wirken der Gletscher ist ueberall praesent und so sieht man die U-Taeler, haengende Taeler und Moraenen (vom sich zurueckziehenden Eis zurueckgelassene Felshaufen). Als das Eis schmolz, fuehlte Meerwasser den Fiord, der sehr tief ist und am Eingang mit ungefaehr 90 Metern am flachsten ist, weil dort der Gletscher zum Stillstand gekommen ist und alles vor sich hergeschobene Material liegen blieb.

Ein Sound hingegen ist ein durch Flussaktivitaeten geformtes Tal, bei dessen Entstehung Gletscher keinen Einfluss hatten. Da die damaligen Entdecker und Namensgeber noch nicht wussten, wie der Kuesteneinschnitt entstanden ist, gaben sie ihm faelschlicherweise die Bezeichnung Sound, was bis heute beibehalten wurde.

Freitag, Oktober 06, 2006

Die ersten Tage im neuen Job

Nach einer knappen Woche Herumreisen durch die Suedinsel bin ich im Milford Sound angekommen und am Montag den 18.9. hatte ich mit 9 anderen Anfaengern (genannt die „Newbies“) meinen ersten Arbeitstag. Dieser bestand nur aus buerokratischem und organisatorischem Kram und so besprachen wir unseren Arbeitsvertrag und gingen andere wichtige Angelegenheiten durch. Milford Sound ist eine sehr kleine Gemeinde, in der fuer die kleine Gegend recht viele Menschen auf engem Raum zusammenleben und da gibt es einige Regeln zu beachten, damit dieses Zusammenleben funktioniert. Wir bekamen auch eine Exklusivfuehrung durch Milford Sound mit Vorstellung jedes einzelnen Hauses und ich war erstaunt, wie gross die Gegend ist und wie viele Dinge ich bei meinen vorherigen Besuchen gar nicht wahrgenommen hatte.

Die ersten Tage zog das Wetter gleich alle Register und es regnete aus Gieskannen. Man haette zur Arbeit schwimmen koennen! Am Dienstag war uns das noch ziemlich egal, da waren wir sowieso „indoors“ bei einem Kundenservice-Seminar, damit wir lernten, worauf es bei unserem Job wirklich ankommt. Am naechsten Tag erfuhren wir, dass die Milford Road wegen akuter Lawinengefahr gesperrt sei und unser Lehrer aus diesem Grund nicht anwesend sei und das aus diesem Grund das Training auf dem Boot beginne. Der viele Regen hatte den Schnee auf den Gipfeln der Berge zu nass und schwer gemacht und deswegen waren die Schneemassen in Bewegung. Um der Lawinengefahr aktiv zu begegnen, wird die Gegend mit dem Hubschrauber abgeflogen, akute Lawinenzentren ausfindig gemacht, Sprengladungen angebracht und die Lawinen kuenstlich in Bewegung gesetzt. Nach Aufraeumen und Saeuberung der Strasse wird diese wieder geoeffnet. Dies dauerte aber aufgrund der stark anhaltenden Regenfaelle noch 2 weitere Tage. Abends hoerte ich einige Lawinen die Berge runterdonnern, was schon ein beaengstigendes Gefuehl sein kann! Nebenbei bemerkt, wenn die Strasse gesperrt ist, kommt auch keine Post und keine Lebensmittel nach Milford, sodass wir immer hoffen, dass die Sperrung nicht von langer Dauer ist.

Das gute daran war, dass das Training auf dem Boot zeitiger begann als geplant, denn das Seminar war schon recht langatmig. Aufgeteilt in zwei Gruppen und eingesetzt auf zwei verschiedenen Booten bekamen wir erstmal einen intensiven Einblick in das Innere und Aeussere eines Bootes und stiegen in jede Luke und durch jede Schleusentuere. Wohlgemerkt, die Strasse war gesperrt, so dass auch keine Touristen da waren. Somit hatten die Skipper jede Menge Zeit fuer uns und die vielen Sicherheitsdrills. Wir lernten wie man das Boot sicher und fest am Steg vertaeut, wie man das Boot bei Ausfall der Steuerung manuell steuert (aus dem Maschinenraum heraus – man ich sage Euch, ist das laut da unten!), wie man das Boot bei Bewustlosigkeit des Kapitaens sichert, was man bei Feuer/Kollision mit anderen Booten oder Aufgrundlaufen tut, wie man sich verhaelt wenn Passagiere ins Wasser fallen und wie man das Boot schnell und geregelt im Notfall verlaesst (was hoffentlich nie passieren wird- denn ich will keine zoegernden Leute ins Wasser schubsen!). Nebenher mussten wir immer wieder die Fragen der Skipper nach der Anzahl und Standorte der Feuerloescher und Rettungsringe und anderen Equipments beantworten. Nach 3 Tagen war die Strasse wieder geoeffnet, sodass auch wieder Cruises stattfanden. Unsere erste Bewaehrungsprobe am ‚lebenden’ Objekt und eine willkommene Abwechslung. Teilweise hatten wir mehr Crew auf den Booten als Passagiere und somit waren die Cruises recht relaxt.

Was kann ich zu meinen Arbeitskollegen sagen? Wir sind eine recht internationale Truppe, wobei die meisten aber trotzdem von Hause aus englischsprachig sind. Einige Koeche und Kuechenhilfen kommen von den Philippinen, der neue Kuechenchef kommt aus Frankreich (er loest einen Deutschen ab, der nach knapp 4 Jahren einen neuen Job antritt), eine der Newbies kommt aus der Tschechei und dann haben wir noch Seiko, die Japanerin, die uns leider bald verlaesst. Ansonsten haben wir Kiwis, Iren, Schotten, Suedafrikaner, Amis und auch Australier. Ich gehoere mit meinen 27 Jahren schon zur aelteren Generation hier, denn die meisten sind gerade mal knapp ueber 20. Die meisten trinken wie die Schluckspechte, weil sie sonst mit ihrer Zeit nichts anzufangen wissen. Witzig dabei finde ich immer, wie die meisten Maedels zum Fruehstueck gerade mal eine Kiwi oder einen Apfel verdruecken, weil sie ja auf ihre schlanke Linie achten muessen, abends schuetten sie aber mit dem Alkohol Unmengen von Zucker in sich hinein. Naja, ich hingegen spare mein Geld lieber und gehe ins Fitnesstudio, das wir kostenlos nutzen koennen, da hab ich mehr davon!